Online-Version des Artikels aus der ZivilCourage

Editorial

Liebe Leserin, lieber Leser,

bei der Gründung der Bundesrepublik Deutschland vor 70 Jahren haben die Deutschen in der Präambel des Grundgesetzes versprochen, dass sie als „gleichberechtigtes Glied in einem vereinten Europa dem Frieden der Welt dienen“ wollen. Na ja, immerhin haben sie keinen neuen großen Krieg angefangen. Angesichts ihrer Erfahrungen im letzten Jahrhundert können sich unsere Nachbarn wenigstens darüber freuen.

Aber Frieden ist mehr als die Abwesenheit von Krieg. Und „dem Frieden der Welt“ dient es sicher nicht, dass Deutschland einer der weltweit größten Rüstungsexporteure ist; und auch nicht, dass seit der deutschen Einheit weit über 400 000 SoldatInnen in sogenannten Auslandseinsätzen waren. Die ganze Richtung stimmt nicht, es fehlt an einer zivilen Logik der Politik. Die breite Zustimmung in der Bevölkerung hätte eine solche sicher.

Dass es – zumindest auch –  so etwas wie eine pazifistische Grundströmung in der Zivilgesellschaft gibt, zeigt der Blick auf Entwicklung und Bedeutung der Kriegsdienstverweigerung. Trotz zahlreicher Diskriminierungen, trotz längerer Dienstzeiten und trotz der Hürde, dass ein Grundrecht nur auf Antrag gewährt wurde, ließen sich immer weniger junge Männer  abschrecken und verweigerten den ganz und gar nicht freiheitlichen und menschenunwürdigen Zwang zur Kriegsdienstleistung.  Und trotz der Lügen der Bundesregierung vor dem Verfassungsgericht wurde die rechtliche Situation für die Verweigerer Stück für Stück nicht gut, aber besser. Maßgeblichen Anteil daran hatte Ulrich Finckh als langjähriger Vorsitzender der Zentralstelle KDV. Vor Kurzem hat der 91-Jährige seine Autobiografie veröffentlicht, die im Heft ausführlich besprochen wird. Beides lesenswert!

Für den 1. Juni ruft die DFG-VK zusammen mit anderen Friedensgruppen zu einem bundesweiten Aktionstag zur Rettung des INF-Vertrages auf. Des Vertrages also, den die USA mit der damaligen Sowjetunion 1987 über die Abschaffung atomarer Mittelstreckenraketen geschlossen hatten und der nun von beiden Seiten gekündigt wurde. Michael Schulze von Glaßer weist in seiner Kolumne – auf Seite 15 – auf den Aktionstag, die Internetseite www.inf-vertrag-retten.deund Aktions- und Informationsmaterial hin.

Nun erreichte mich unmittelbar vor Drucklegung dieses Hefts  das unten abgebildete schöne Plakat zum Thema, das im DFG-VK-Landesverband Hamburg/Schleswig-Holstein gemacht wurde. Gerne weise ich darauf hin und denke, dass mit diesem Plakat gut sowohl auf den Aktionstag und generell darauf hingewiesen werden kann, dass wir uns gegen Atomraketen wehren müssen, alte und neue. Das Plakat kann im DFG-VK-Shop in den Formaten A1 zum Preis von 0,15 Euro und im Format A3 für 5 Cent pro Stück bestellt werden, außerdem gibt es wetterfeste Aufkleber in Postkartengröße mit diesem Motiv zum Stückpreis von 10 Cent: https://shop.dfg-vk.de. Bestellt, klebt, mobilisiert, wehrt euch!

 

Stefan Philipp
Chefredakteur der ZivilCourage

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