Online-Version des Artikels aus der ZivilCourage

Editorial

Liebe Leserin, lieber Leser,

eine mittlerweile auch schon alte Weisheit aus dem Engagement sozialer Bewegungen heißt: „think global, act local“. Also: Das große Ganze sehen, und vor Ort handeln. Als PazifistInnen und AntimilitaristInnen tun wir das seit fast 100 Jahren. Weil Kriegsvorbereitung und Krieg nie lokal begrenzt sind, ist der Blick über den eigenen Tellerrand hinaus nötig und wichtig. 1921 wurde deshalb und nach den furchtbaren Erfahrungen des Ersten Weltkrieges die WRI gegründet, die War Resisters´ International, übersetzt: die Internationale der KriegsdienstgegnerInnen, oder besser gesagt vielleicht, der KriegsgegnerInnen. Darin zusammengeschlossen haben sich Gruppen und Organisationen aus aller Welt, die Krieg für ein Verbrechen an der Menschheit halten und deshalb entschlossen sind, an der Beseitigung aller Kriegsursachen zu arbeiten. Alle paar Jahre gibt es ein internationales Treffen, bei dem VertreterInnen der Mitgliedsorganisationen zusammentreffen. Um uns wieder bewusster zu machen, dass wir als DFG-VK ein Teil dieses internationalen WRI-Netzwerkes sind, berichten unsere Delegierten von der Konferenz in Bogotá.

Ebenso wie Krieg im Blick auf die Gefahr durch Atomwaffen eine Menschheitsfrage und Frieden eine Menschheitsaufgabe ist, gilt die Aufforderung „think global, act local“ auch für die Klimafrage. Die drohende, von Menschen gemachte Klimakatastrophe bedroht uns alle, die Furcht davor ist mehr als berechtigt. Angst kann ein guter Ratgeber sein, wenn sie nicht dazu führt, den Kopf in den Sand zu stecken oder die Hände in den Schoß zu legen, sondern zu Engagement, Veränderung und Handeln.

Beide Fragen, Frieden und Klima, gehören zusammen. Und auch deswegen ist es kein Wunder, dass die neue Klimarettungsbewegung mit Akteuren wie Fridays for Future oder Extinction Rebellion („Aufstand gegen das Aussterben“) sich der Mittel bedient, die die Friedensbewegung entwickelt, erprobt und erfolgreich praktiziert hat: gewaltfreie Blockaden und ziviler Ungehorsam. Es ist deshalb gut, wenn sich Friedensbewegte, AntimilitaristInnen und PazifistInnen auch im Kampf gegen die Klimazerstörung engagieren und ihre Erfahrungen und Visionen einbringen. ... und im eigenen Leben stärker auf ihren ökologischen Fußabdruck achten.

 

Stefan Philipp
Chefredakteur der ZivilCourage

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