Online-Version des Artikels aus der ZivilCourage

Die Botschaft:
„Gewehr kaputt, Krieg zu Ende“

Die Friedens-Fahrradtour des bayerischen
DFG-VK-Landesverbandes

Von Thomas Rödl

 Jedes Jahr veranstaltet die DFG-VK Bayern eine Friedens-Fahrradtour zu den Standorten der Rüstungsindustrie, der Bundeswehr und der US-Truppen in Bayern und Umgebung. Wir wollen vor Ort für Frieden und Abrüstung werben, mit den Menschen ins Gespräch kommen, die von Rüstung und Militär leben und Impulse für Konversion geben. Die Friedensfahrradtour ist immer eingebunden in unsere Kampagnen für Abrüstung, denn die politischen Entscheidungen werden von Parlament und Regierung getroffen.

Die Friedensfahrradtour war schon mehrmals von München aus gestartet bzw. durchgefahren, aber hier wurde noch nie über unsere Aktionen berichtet. Daher das Konzept, eine Aktion so groß und auffällig zu machen, dass sie von den Lokalmedien nicht mehr ignoriert werden kann. Ergebnis: eine Mahnwache von einer Woche Dauer, direkt auf dem Marienplatz im Herzen der Landeshauptstadt.

Parallel entstand die Idee, ein großes sinnfälliges Symbol auf den Marienplatz zu stellen, das unser Anliegen vermitteln sollte. Ergebnis: Das zerbrochene Gewehr, Symbol der Internationale der Kriegsdienstgegner, aus Kunststoff, aufblasbar und einige Meter hoch. Alle verstanden die Botschaft: Gewehr kaputt, Krieg zu Ende.

Die Mahnwache am Marienplatz

So stand tatsächlich eine 24-Stunden Mahnwache vom 30. Juli bis zum 6. August auf dem Münchner Marienplatz mit täglich wechselndem Programm. In der Sommerzeit sind hier ca. zwei Drittel des Publikums – und das sind täglich Zehntausende! – TouristInnen aus allen möglichen Ländern.

Für diese hatten wir die Friedenserklärung in vielen Sprachen griffbereit. Über 500 Friedenserklärungen wurden unterzeichnet und an Schnüren aufgehängt. Wir wollen mit diesen Friedenserklärungen im Gepäck im nächsten Jahr nach Berlin radeln und sie öffentlich ausstellen. Die Mahnwache gab Gelegenheit, über Frieden zu diskutieren; viele hundert Gespräche wurden teils bis nachts um drei Uhr geführt.

Die Durchführung dieser Mahnwache war nur möglich, weil viele Aktive der DFG-VK Bayern nach München gekommen waren und weil viele FreundInnen vom Münchner Friedensbündnis die Mahnwache unterstützt haben.

Ein Aktionstag wurde von der Internationalen Frauenliga und anderen Frauengruppen gestaltet. Der Hiroshima-Gedenktag am 6. August wurde vom Münchner Friedensbündnis und vom Bündnis gegen Krieg und Rassismus organisiert.

Die Fahrradtouren zu Rüstungsbetrieben

Dreimal starteten die FriedensradlerInnen vom Marienplatz aus, um Rüstungsbetriebe zu besuchen. Am bekanntesten ist die Firma Krauss-Maffei-Wegmann, die alle Panzer und gepanzerten Fahrzeuge für die Bundeswehr entwickelt hat und produziert.

Charakteristisch für die Region München ist aber die Luft- und Raumfahrtindustrie. Hier finden Forschung, Konzeption und Entwicklung statt, die Produktion von Kampfflugzeugen, Hubschraubern und Raketen dann an anderen Orten in Südbayern. Die Motoren- und Turbinen Union (MTU) produziert zivile und militärische Triebwerke, alle Triebwerke für die Kampfflugzeuge der Luftwaffe. MTU ist der größte Standort bezogen auf die Zahl der Beschäftigten. Der bekannteste internationale Player ist Airbus Defence and Space, der am Standort Ottobrunn bei München Raketen- und Satellitentechnik produziert; also keine Waffensysteme, sondern die Technik für Kommunikations-, Spionage- und Positionsbestimmungs-Satelliten, die die Bundeswehr für die Führung der weltweiten Einsätze braucht.

Darüber hinaus gibt es in München und der Region viele mittlere und kleinere Zuliefer-Firmen für die zivile und militärische Luftfahrt. Darunter sind Firmen, die ganz spezielle Militärtechnik entwickeln und produzieren, z.B. Artillerie-Ortungs-Radar oder militärische Antennenanlagen, aber auch Firmen, die sowohl für die Automobilindustrie als auch für die Luft- und Raumfahrt arbeiten, und deren militärischer Anteil für Außenstehende schlecht erkennbar ist.

Von den meisten angefahrenen Firmen hatten Aktive vorher ein Faktenblatt erstellt und vor Ort die MitradlerInnen über die Tätigkeit am Standort informiert. In einem Fall ergab sich eine interessante Diskussion mit jungen Mitarbeitern, die sich dagegen verwahrten, als Rüstungsbetrieb eingestuft zu werden.

Antikriegsperformance

Die Friedensradler führten zweimal am Marienplatz und jeweils in den umliegenden Kreisstädten Erding, Freising und Fürstenfeldbruck unsere Antikriegsperformance auf.

Die Szene der Performance zeigt dramaturgisch zugespitzt die Einschätzung der Kriege als solche um Öl und Rohstoffe sowie die Beteiligung der BürgerInnen durch „nichts sehen, nichts hören, nichts sagen“. Die Botschaft: „Kein Krieg ist heilig, kein Krieg ist gerecht“ kann für die Bildberichterstattung einfach aufgegriffen werden.

Resonanz

Zehntausende Menschen haben unsere Mahnwache gesehen, Tausende haben Flugblätter und Informationsmaterial mitgenommen, Hunderte haben mit uns diskutiert, viele haben ihre Mail-Adresse hinterlassen. Diese haben wir angeschrieben, eingeladen, und werden sie weiter über unsere Friedensarbeit informieren.

Als großen Erfolg bewerten wir die Berichterstattung in der Süddeutschen Zeitung, die im Münchner Teil und in den jeweiligen Landkreisen täglich und ausführlich über die Friedensfahrradtour und unsere Anliegen berichtete.

Wir haben wohl erreicht, dass wir als Friedensorganisation bekannter und viele Menschen auf Rüstung und Militär vor ihrer Haustür hingewiesen wurden .

Thomas Rödl ist Geschäftsführer des DFG-VK-Landesverbands Bayern.

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