Online-Version des Artikels aus der ZivilCourage

„Wir sind schon Teil einer Tradition“

Die Friedens-Fahrradtour des nordrhein-westfälischen DFG-VK-Landesverbands

Von Joachim Schramm

Radfahren für den Frieden – das hat Tradition in unserem Bundesland“. So kündigte die WDR-Moderatorin den TV-Beitrag zu Start der diesjährigen Friedens-Fahrradtour NRW am 5. August in Köln an. Da sind wir also Teil einer Tradition – auch nicht schlecht!

DFG-VK protestiert mit Die-in-Aktion vor der Werbeagentur Castenow gegen deren BundeswehrwerbungAm nächsten Tag im Düsseldorfer Hafengebiet: Vor einem Bürogebäude treffen ca. 20 FriedensradlerInnen ein, vor dem Hauseingang liegen plötzlich blutverschmierte „Leichen“, der Tod mit schwarzem Gewand und der Sense in der Hand stößt ein krächzendes Lachen aus: Er freut sich, an diesem Tag der Werbeagentur Castenow das „Golden G36“ zu verleihen, dafür, dass sie ihm durch ihre Bundeswehr-Werbekampagne neues, junges Blut zuführt.

Am nächsten Morgen wird es vor der Zentrale von Rheinmetall rutschig: Auf einer „Schmiergeldrutsche“ schliddern als Politiker verkleidete Aktivisten dem ersehnten Koffer mit Geld entgegen. An den Fenstern schauen sich die Angestellten das Treiben an. Ob die Kritik an dem mit Korruptionsaffären zusätzlich belasteten Rüstungskonzern bei ihnen ankommt?

Die diesjährige Friedens-Fahrradtour NRW wurde angereichert durch diese und andere kreative Aktionen des „U35-Aktionsteams“ der DFG-VK um Michael Schulze von Glaßer.

Unsere Antikriegs-Moritat, bereits im letzten Jahr erprobt, war optimiert worden und kam unterwegs ebenfalls gut an. Und auch sonst war die Tour eine runde Sache. Insgesamt 40 Friedensbewegte waren „Auf Achse für Frieden und Abrüstung“, manche nur zwei, drei Tage, mehrere aber auch die ganze Strecke von Köln bis Bielefeld. Schön war, dass sich uns diesmal auch einige junge Leute angeschlossen haben. Unsere Freunde aus Weißrussland waren wieder dabei, gaben dem Ganzen einen internationalen Touch. Alle machten mit, bei den Aktionen, aber auch beim Kochen, Abwaschen und Aufräumen. Ein Hingucker an allen Aktionsorten war der neue DFG-VK-Infobus, der uns die ganze Tour begleitete.

DFG-VK wirbt vor Kriegerdenkmal in Düsseldorf für AbrüstungDrei große Themen

Drei große Themen gaben der Tour ihren Rahmen: Schon mit dem Start in Köln nahmen wir Bezug zu den Gedenktagen für die Opfer der Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki, griffen wir den Protest gegen die ungebrochene Atomrüstung der USA, Russlands und anderer Staaten auf. In Köln (schriftlich), in Essen, Nottuln und Münster wurden wir durch die Bürgermeister bzw. ihre Stellvertreter begrüßt, die sich bei den „Mayors for Peace“ für eine atomwaffenfreie Welt einsetzen.

Das zweite große Thema war die aktuelle Konfrontations- und Aufrüstungspolitik der Nato gegen Russland. In Nörvenich protestierten wir gegen die dort stationierten Eurofighter, die im Rahmen der Nato immer wieder zu gefährlichen Patrouillenflügen in den baltischen Staaten ausrücken. In Dülmen machten wir mit einer Aktion vor dem neu installierten US-Waffendepot deutlich, dass wir für Entspannung und gegen Aufrüstung sind. Und in Münster und Bielefeld protestierten wir gegen Kommando-Einrichtungen des deutsch-niederländischen Korps bzw. der britischen Armee, die als Teil der Nato Bestandteil des aktuellen Säbelrasselns sind.

Die Rüstungsproduktion und der Rüstungsexport war das dritte aufgegriffene Thema. Mit Rheinmetall in Düsseldorf und Thyssen-Krupp in Essen waren zwei der großen deutschen Rüstungskonzerne unser Ziel. Sie zeichnen sich im negativen Sinne nicht nur dadurch aus, dass sie Waffen in Kriegs- und Krisengebiete liefern. Sie sind zudem Teil von Korruptionsaffären, bei denn Politiker und Militärs bestochen wurden, damit sie Waffen der jeweiligen Firmen kauften.

In Münster nutzten wir den Bundestagswahlkampf zu einer Podiumsdiskussion mit sechs örtlichen Kandidaten. Hier lehnte sich vor allem der FDP-Kandidat aus dem Fenster und begrüßte ausdrücklich die diskutierte Erhöhung des Militäretats auf zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

Und noch eine Diskussion ist erwähnenswert. In Versmold, mitten im Zentrum der NRW-Fleischindustrie informierte uns eine örtliche Linken-Aktivistin über die Folgen dieser Industrie für Mensch und Tier. Auch wenn anschließend nicht alle Teilnehmer gleich Vegetarier wurden, zu denken gegeben hat das Gehörte wohl allen.

Für viele TeilnehmerInnen war es schockierend, wie sehr NRW mit Militär- und Rüstungsstandorten überzogen ist. Es wurde ganz konkret erfahrbar, dass Krieg hier bei uns beginnt und dass wir hier etwas dagegen tun können und müssen!

Gute Medienresonanz

Das bunte Bild der RadfahrerInen mit den Pace- und DFG-VK-Fahnen, aber auch unser Engagement für Frieden und gegen Krieg ist für viele lokale Medien Grund, über die Tour zu berichten. An jedem Aktionsort gab es in der Lokalpresse einen Fotobericht, zweimal waren wir im WDR-Fernsehen.

Wieder stießen wir unterwegs auf viel Sympathie bei den Menschen am Straßenrand. Leute winkten, Autos hupten freundlich (manche natürlich auch unfreundlich). Und auch die Unterstützung durch die DFG-VKler und andere Friedensaktivisten vor Ort an den einzelnen Aktionspunkten war wieder grandios. Wir wurden freundlich begrüßt, es gab zu essen und zu trinken, häufig wurde ein ganzes Programm aus Reden und Musik auf die Beine gestellt, es gab Hilfe bei der Organisation der Übernachtung und beim Finden der besten Route. Dafür auch auf diesem Wege noch mal herzlichen Dank!

Joachim Schramm ist Geschäftsführer des DFG-VK-Landesverbands Nordrhein-Westfalen.

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