(Kein) „Tag der Bundeswehr“ 2017

Ein Überblick über die Aktionen gegen die Militarisierungs- und Rekrutierungs-Reklame

Von Michael Schulze von Glaßer

 Am 10. Juni wollte sich die deutsche Armee an 16 Standorten selbst feiern. Bereits seit zwei Jahren öffnet sie am so genannten „Tag der Bundeswehr“ die Kasernentore oder präsentiert sich in Innenstädten der Bevölkerung. Dabei geht es ihr vor allem um Werbung für ihre Auslandseinsätze und die Gewinnung neuer Rekrutinnen und Rekruten.

 Am 10. Juni wollte sich die deutsche Armee an 16 Standorten selbst feiern. Bereits seit zwei Jahren öffnet sie am so genannten „Tag der Bundeswehr“ die Kasernentore oder präsentiert sich in Innenstädten der Bevölkerung. Dabei geht es ihr vor allem um Werbung für ihre Auslandseinsätze und die Gewinnung neuer Rekrutinnen und Rekruten.

Im vergangenen Jahr war es beim „Tag der Bundeswehr“ zum Skandal gekommen, nachdem unser Verband öffentlich gemacht hatte, dass Kleinkinder in einer Kaserne an Handfeuerwaffen gelassen wurden – so passte die Armee in diesem Jahr penibel auf: Minderjährigen wurde der Zugang zu Handfeuerwaffen verboten – in Panzer, Kampfjets und andere Militärvehikel wurden sie jedoch gelassen. Seit 2011 gibt es bei der Bundeswehr eine Regelung, die dies offiziell erlaubt.

Allerdings: Auch wenn ein Skandal in diesem Jahr ausblieb, richtigen Erfolg hatte die Armee mit ihrem Tag nicht. Das mediale Interesse war gering, und auch die Besucherzahlen blieben hinter den Erwartungen zurück: Es sind wohl weit weniger Leute gekommen als erhofft. So waren es in der Rommel-Kaserne in Dornstadt bei Ulm nur 7 500 Besucherinnen und Besucher statt der angekündigten 10 000. Auch an anderen Standorten war das Interesse vergleichsweise gering – es wurden laut Armee-Angaben denn über 270 000 Besucherinnen und Besucher gezählt. Und so ist der „Tag der Bundeswehr“ das zentrale Propaganda-Event der Armee – und bietet dadurch auch „Angriffsfläche“ für Kritik. An mindestens acht Standorten haben Aktive aus der DFG-VK und weitere Friedensaktivistinnen und -aktivisten protestiert:

Die wohl größte Protestaktion fand in Rüsselsheim statt. Dort war der „Tag der Bundeswehr“ in den „Hessentag“ eingebunden – ein einwöchiges Landesfest, bei dem sich die Bundeswehr mit zahlreichen Militärfahrzeugen direkt am Main präsentierte. Dagegen gab es zwei Protestzüge mit bis zu einhundert Leuten, eine Dauerkundgebung mit Musik, Reden und Infoständen sowie immer wieder kleinen Aktionen im von Feldjägern und Polizei hermetisch gegen Kritikerinnen und Kritiker abgeschirmten Areal: So „eroberten“ junge Friedensaktivistinnen und -aktivisten kurzerhand einen Panzer mit einem „STOP WARS“-Transparent.

Ebenfalls größer war der Protest in Dornstadt bei Ulm: Die Gruppe Stuttgart hatte dazu extra einen Bus organisiert um die örtlichen Aktiven zu unterstützen. Der bunte Protest fand sowohl in der Kaserne als auch außerhalb statt: Etwa – angelehnt an die neuen DFG-VK-Aufkleber – unter dem Motto „Unicorns against Uniforms“ in Einhorn-Kostümen oder bezugnehmend auf den Namen der Kaserne mit dem Slogan „Bundeswehr wegrommeln“. Dabei kam auch der DFG-VK-Bulli zum Einsatz. Auch in Zukunft wollen die Aktiven vor Ort das Thema „Rommel“ und die Wehrmachts-Tradition der Armee thematisieren.

Aufsehenerregend war eine Stör-Aktion einer Vereidigung in Weißenfels in Sachsen-Anhalt. Auf einem Sportplatz standen nicht nur die neuen Bundeswehr-Rekrutinnen und -Rekruten sowie neugierige Zuschauerinnen und Zuschauer, sondern auch Aktive der regionalen DFG-VK-Gruppe. Mit einem Transparent machten sie auf die Praxis der Armee aufmerksam, schon Minderjährige für den Dienst an der Waffe auszubilden. Andere hielten ein „Krieg beginnt hier“-Transparent. Nach einiger Zeit griffen die Feldjäger ein und drängten die Transparent-Halterinnen und -Halter ab – dennoch ein erfolgreicher Protest.

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen war im Gewand eines „Sensenmanns“ samt Sarg vor der Marineunteroffiziersschule in Plön anzutreffen. Die Protestaktion der immer sehr aktiven DFG-VK-Gruppen aus Schleswig-Holstein am Eingang der Kaserne war nicht zu übersehen: Mit einem Sarg wurde – etwas morbide – zum „Probeliegen“ eingeladen. Zudem gab es zahlreiche Transparente und eigene, zusammen mit dem Bundesverband erstellte Flugblätter: „Bundeswehr abschaffen!“

In Stralsund in Mecklenburg-Vorpommern kam es im kleinen Rahmen zu Land, zu Wasser und in der Luft zu Protesten: Es wurden Protest-Transparente gehalten, ein Schiff mit Pace-Fahne neben ein Marineschiff gefahren und Luftballons mit antimilitaristischen Botschaften steigen gelassen. Auch wenn nur wenige Friedensaktive teilnahmen, sorgte der kreative Protest für Aufmerksamkeit. Schon kleinste Aktionen sind gut, um die Militär-Propaganda nicht unwidersprochen zu lassen.

Und so waren auch die Infostände vor den „Tag der Bundeswehr“-Kasernen im nordrhein-westfälischen Aachen sowie in den bayerischen Orten Greding und Weiden enorm wichtig. Dabei wurden viele Materialien verteilt und interessante Diskussionen geführt.

Mindestens die Hälfte aller Bundeswehr-Werbe-Standorte mit kritischen Gegenaktionen abgedeckt zu haben, kann durchaus als Erfolg gewertet werden: Gerade da der „Tag der Bundeswehr“ in diesem Jahr an vielen Orten stattfand, an denen es kaum Friedensaktive gab.

Nächster Tag gegen Krieg und Bundeswehr: 9. Juni 2018

Im kommenden Jahr sollen die Aktionen noch größer ausfallen – die Standorte dafür sind im Gegensatz zum Termin aber noch nicht bekannt: Am 9. Juni 2018 soll der nächste „Tag der Bundeswehr“ stattfinden.

Machen wir ihn wieder zum bundesweiten Tag gegen Krieg und Militär!

Michael Schulze von Glaßer ist stellvertretender Politischer Geschäftsführer der DFG-VK.

Weitere Informationen im Internet: www.kein-tag-der-bundeswehr.de

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