Online-Version des Artikels aus der ZivilCourage

„Was macht eigentlich unser politischer Geschäftsführer?“

Die Kolumne von Michael Schulze von Glaßer

In dieser Kolumne berichtet Michael Schulze von Glaßer, politischer Ge-schäftsführer der DFG-VK regelmäßig, was in der DFG-VK-Geschäftsführung gearbeitet wird, welche Themen im Fokus sind, welche Materialien erstellt werden etc.

Kontakt: svg@dfg-vk.de

 

Die politischen Themen gehen uns – leider – nicht aus, das Wetter wird besser: Die DFG-VK ist so aktiv wie langenicht! Überall finden kleinere und größere Aktionen statt. Im hohen Norden sind viele gegen den für den Mali- und Syrien-Einsatz wichtigen Bundeswehr-Fliegerhorst Jagel/Schleswig aktiv, in Berlin war kürzlich der Kauf von Kampfdrohnen durch die Bundesregierung Thema von Protesten, im rheinland-pfälzischen Büchel sind wieder viele Friedensbewegte gegen Atomwaffen aktiv und in Bayern hat die Friedensradtour wieder unzählige Leute mit unseren Forderungen erreicht. Auch beim „Tag der Bundeswehr“ gab es in diesem Jahr so viele Aktionen wie noch nie: An 14 der 16 Standorte wurden kritische Informationen zur Armee, ihren Einsätzen und dem Versuch neue Rekrutinnen und Rekruten zu werben, gegeben.

Und bei dem, was wir machen, sind wir durchaus erfolgreich: In Stuttgart haben umfassende Proteste inklusive einer 56-stündigen Mahnwache zum Abzug einer Rüstungsmesse aus der Stadt geführt (siehe Artikel Seite XX). Und mit dem „Frieden geht!“-Staffellauf gegen Rüstungsexporte haben wir nicht nur unglaublich viele Menschen erreicht, sondern den Druck auf die Bundesregierung und die Rüstungsindustrie weiter erhöht: Rüstungsexporte werden immer schwerer durchführbar. Die Organisatorinnen und Organisatoren und besonders auch das Team im Begleittross von „Frieden geht!“ haben dabei Unglaubliches geleistet. Es ist dieses vor allem auch ehrenamtliche Engagement, welches viele Aktionen erst ermöglicht. Dabei ist es immer wieder bewundernswert und gar nicht hoch genug zu loben, wie engagiert die Mitglieder der DFG-VK sind!

Leute erreichen. Ich sage es ganz ehrlich: Was „Frieden geht!“, den Staffellauf gegen Rüstungsexporte angeht, war ich lange Zeit skeptisch.

Dass der Lauf klappen würde, daran hatte ich bei dem Organisations-Team keine Bedenken. Aber so viele finanzielle Ressourcen und Kräfte investieren, um einen Staffellauf zu organisieren? Wäre es nicht sinnvoller, etwas Direktes gegen Rüstungsexporte zu unternehmen?

Ich wurde eines Besseren belehrt: Zwar ist es wirklich ein Bogen, eine Sportveranstaltung zu organisieren, um ein politisches Ziel zu erreichen – und bei „Frieden geht!“ sogar einer von 1 100 Kilometern Länge –, doch konnte man dadurch sehr viele Menschen mitnehmen und Aufmerksamkeit gewinnen. Etwas, das man durch „harte Politik“ nur schwer erreicht. So konnten wir in Kassel, wo ich wohne und wo auch „Frieden geht!“ Station gemacht hat, beispielsweise endlich engeren Kontakt zu den Kirchen bekommen, der nun auch über den Staffellauf hinaus anhält: Auch zum Anti-
kriegstag soll nun eine gemeinsame Aktion organisiert werden.

Was nehme ich also neben den tollen Erinnerungen von „Frieden geht!“ mit?

Wir sollten uns der Wirkung unserer Forderungen gegenüber den Menschen, die wir erreichen und ja auch überzeugen wollen, immer bewusst sein und uns auch in ihre Lebenswelt hineinversetzen. Es gilt, nicht immer mit der Tür ins Haus zu fallen: Man kann die Menschen auch mit zunächst eher seichten Forderungen an die Maximalforderung heranführen. Dies gilt für Aktionen ebenso.

Doch auch wenn wir sie nicht radikal nach außen tragen, dürfen wir unsere pazifistisch-antimilitaristischen Positionen eben nie aufweichen.

Hürden im Verbandsbetrieb.Die nach außen sichtbare DFG-VK-Arbeit ist aber auch nur ein Teil: Damit „der Betrieb läuft“, findet auch hinter den Kulissen immer viel – teils aufwändige – Arbeit statt.

Als die Verwertungsgesellschaft Wort (VG Wort) im vergangenen Jahr Tausende von Euro von uns haben wollte, da sie ihr Ausschüttungssystem für Autorinnen und Autoren auch der ZivilCourageändern musste, war damit eine Auseinandersetzung erforderlich. Auch die neue Datenschutz-Grundverordnung der Eu-
ropäischen Union verlangte unser Handeln, und bei unseren – ehren-
amtlich aktiven – Datenschutz-Leuten rauchten die Köpfe. Auch unsere zum Großteil vermietete Immobilie in Velbert – unsere ehemalige Bundesgeschäftsstelle – steht nicht einfach nur so da und wirft Geld ab, sondern braucht Betreuung. Unser – ebenfalls ehrenamtlicher – Bundeskassierer Christoph Neeb schlägt sich nicht nur Wochenenden mit Kontobuchungen um die Ohren, sondern kümmert sich auch noch um die Immobilie und hat sie gut im Griff. Und dann ist da natürlich noch unsere Verwaltung: Eine funktionierende Mitgliederverwaltung ist die Basis eines Verbands wie des unseren. Daher ist es auch gut, dass Susanne Jallow in unserer Bundesgeschäftsstelle in Stuttgart jetzt auf kleiner Basis Unterstützung bekommt. Dann wird es allerdings noch enger in unseren Räumlichkeiten in der Werastraße 10. Müssen wir etwa umziehen? Die Ideen, Diskussionen und Pläne gehen uns nicht aus – und das ist gut so: Willkommen Zukunft!

 

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