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Vom Symbol für atomare Abrüstung zum weltweiten Friedenszeichen

Von Thomas Carl Schwoerer

Fast jeder kennt das Logo der Kriegsgegner, das die Hippies der sechziger Jahre popularisierten: Das Peace-Zeichen wird am 21. Februar sechzig Jahre alt. Dieses weltweit bekannte Friedenszeichen ist positiv besetzt als weltanschaulich und religiös offenes Symbol für Humanität, Versöhnung, Gewaltverzicht und das Recht auf Kriegsdienstverweigerung. Am 21. Februar legen die DFG-VK und andere Friedensgruppen 200 Blumen vor den Stufen des Stuttgarter Rathauses zu einem Peace-Zeichen und verteilen sie anschließend an die Passanten.

Es war der Philosoph Bertrand Russell als Anführer der britischen Kampagne für nukleare Abrüstung (Campaign for Nuclear Disarmament, kurz CND), der den Auftrag erteilte, ein Erkennungszeichen für den allerersten Ostermarsch zu entwickeln. Am 21. Februar 1958 hat der Pazifist und Designer Gerald Holtom, Absolvent des Londoner Royal College of Arts, der während des Zweiten Weltkriegs den Kriegsdienst aus Gewissensgründen verweigert hatte, den Entwurf vorgelegt. Gut einen Monat später zogen Atomwaffengegner zu Tausenden vom Trafalgar Square im Herzen Londons zum Atomforschungszentrum in Aldermaston, wo Großbritanniens Atomwaffen entwickelt wurden. 

Holtom kombinierte die beiden Buchstaben N und D (für Nuclear Disarmament) aus dem internationalen Flaggenalphabet, dem Winkeralphabet zur Kommunikation auf See und zur Nachrichtenübermittlung zwischen Schiffen und Land. Das Peace-
Zeichen steht also auch für atomare Abrüstung. 

Heute dient es der Aufforderung an die Bundesregierung, wie zwei Drittel der UN-Staaten dem internationalen Verbot von Atomwaffen beizutreten und sich dafür einzusetzen, dass die Atomwaffen aus Büchel abgezogen und kleinere Atomwaffen nicht produziert werden, die den Krieg wahrscheinlicher machen.

Gerald Holtom hat nach eigener Auskunft zugleich das Bild eines verzweifelten Menschen gezeichnet. Die Hände dieses Unglücklichen zeigen nach außen und unten, wie umgekehrt bei Goyas Bauer, der in dem berühmten Bild „Die Erschießung der Aufständischen“ vor dem Erschießungskommando steht. Der Kreis um das Zeichen steht bildhaft für den Erdball. Manchen gilt das Symbol als die griechische Schreibweise für Christus – eine Zusammensetzung aus X (Chi) und P (Rho).

Ende der fünfziger Jahre wuchs die kleine Schar von Atomwaffengegnern in Windeseile zu einer Massenbewegung an – in Deutschland fanden sie sich in der Kampagne „Kampf dem Atomtod“ zusammen –, und ihr Symbol verbreitete sich rasant weltweit. Holtom trug dadurch dazu bei, dass er sich seine Erfindung nie urheberrechtlich schützen ließ, da es als Symbol für Frieden frei sein müsse für alle. Zunächst übernahm die amerikanische Bürgerrechtsbewegung um Martin Luther King Jr., selbst eine Ikone des gewaltfreien Widerstands, das Peace-Zeichen.

Dann wurde es zum Symbol des Protests gegen den Vietnam-Krieg, kriegsmüde Vietnam-Soldaten pinselten sich das Zeichen auf den Helm. Woodstock-Fans schmückten ihre VW-Busse damit, und Gegner des Kalten Kriegs in Prag und Berlin malten es an die Häuserwände. Repressiven Staaten war es ein Dorn im Auge: Das Apartheid-Regime in Südafrika versuchte es zu unterdrücken.

Die Wirkung des Peace-Zeichens wurde später verwässert durch Kommerz und Kitsch: Modefirmen behängten ihre Models damit. Für Popstars ist es zu einem coolen Accessoire geworden. Ein bekannter Online-Händler bietet 1 000 solcher Schmuck- und Kleidungsartikel an.

In den achtziger Jahren fand es bei de Großdemonstrationen gegen die atomare Nachrüstung Verbreitung und erlebte mit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 eine ungeahnte Renaissance: Weltweit formten Menschen auf Freiflächen und Plätzen menschliche Peace-Zeichen, Demonstranten trugen bedruckte T-Shirts oder steckten sich „Peace“-Pins als Protest gegen den Krieg an ihre Kleidung.

Bald wird es wieder auf den alljährlichen Ostermärschen verwendet. Auch das Logo der internationalen Kampagne zur Abschaffung aller Atomwaffen Ican enthält das Peace-Zeichen und eine zerbrochene Atomrakete. Ican und ihre 470 weltweiten Partnerorganisationen, darunter die DFG-VK, wurden für ihren Einsatz für ein weltweites Atomwaffenverbot am 10. Dezember mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. 

 

Thomas Carl Schwoerer ist Mitglied im BundessprecherInnenkreis der DFG-VK.
Der Beitrag erschien zuerst im Feuilleton einer renommierten Tageszeitung.

 

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