Anti-Militarisierung

Die Militarisierung der Außen- und der Innenpolitik sind zwei Seiten einer Kriegsmedaille. Während die Bundeswehr sich immer neue Einsatzgebiete außerhalb der Bundesrepublik ersch(l)ießt, wird auch die Militarisierung im Innern immer weiter vorangetrieben: Die Überwachung der Bevölkerung nimmt zu, die Polizei rüstet auf und die Bundeswehr wird immer häufiger im Inland eingesetzt. Zudem sollen die Menschen auch geistig auf die militaristische Sicherheitspolitik „auf Linie“ gebracht werden – mit Werbung und Propaganda an der Heimatfront. Über all diese Themen berichten wir hier.

Anti-Militarisierung

Bundeswehr vor Engpaß

Soldaten auf Werbetour. Knapp eine Million Jugendliche erreicht
Von Frank Brendle

Auf ihrer Nachwuchssuche hat die Bundeswehr im vergangenen Jahr 950000 Jugendliche umworben. Das teilte am Mittwoch die Linke-Abgeordnete Ulla Jelpke unter Berufung auf Zahlen aus dem Verteidigungsministerium mit. Jugendoffiziere traten demnach vor mehr als 142000 Jugendlichen auf, fast ausnahmslos im Rahmen des Schulunterrichts. Jelpke kritisierte in einer Presseerklärung den »Mißbrauch von Schulen als Rekrutierungsstätten.« Wehrdienstberater erreichten 197000 Schüler, denen sie »Jobmöglichkeiten« beim Militär erläutern konnten. Damit verzeichnen sie einen Einbruch um knapp ein Drittel– ein mögliches Indiz für das schwindende Interesse am »Arbeitgeber Bundeswehr«. An Truppenbesuchen haben 22000 Jugendliche teilgenommen.

Nach den offiziellen Angaben sind außerdem exakt gezählte 590002 »Zielgruppenangehörige«, also Jugendliche und junge Erwachsene, im Rahmen von Messen und Ausstellungen erreicht worden. Hierzu liegen keine Vergleichszahlen vor. Auf Anfrage von junge Welt erklärte ein Bundeswehrsprecher am Donnerstag, er gehe davon aus, daß mit jedem dieser Jugendlichen Gespräche geführt oder sie wenigstens Informationsmaterial ausgehändigt bekommen hätten.

Der Presseoffizier bestätigte im Wesentlichen die Angaben zur Nachwuchssituation, die Anfang der Woche in der Süddeutschen Zeitung gemeldet wurde: Demnach benötigt die Bundeswehr künftig jedes Jahr rund 17000 Freiwillige, um ihren heruntergestuften Personalumfang von bis zu 185000 Soldaten zu halten. Zusätzlich sind rund 15000 sogenannte »freiwillige Wehrdienstleistende« zu werben. Um ausreichend qualifiziertes Personal zu erhalten, benötige man insgesamt rund 71000 Bewerbungen. Das ist mehr als bisher. Durch den Wegfall der Wehrpflicht ist das Militär fast komplett auf den freien Arbeitsmarkt angewiesen. Dem Bundeswehrsprecher zufolge gingen im Vorjahr die Bewerbungen um sieben Prozent zurück. Man hoffe aber auf mehr Interesse von Frauen.

Jelpke vermutet, daß die Truppe auch »mit ihren makabren, bisweilen tödlichen Ritualen« selbst für ihre Nachwuchssorgen verantwortlich sei. Denn: »Solange die Armee nicht von ihrem Kriegskurs läßt, tun Jugendliche gut daran, einen weiten Bogen um sie zu machen«, erklärte die Abgeordnete

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