Anti-Militarisierung

Die Militarisierung der Außen- und der Innenpolitik sind zwei Seiten einer Kriegsmedaille. Während die Bundeswehr sich immer neue Einsatzgebiete außerhalb der Bundesrepublik ersch(l)ießt, wird auch die Militarisierung im Innern immer weiter vorangetrieben: Die Überwachung der Bevölkerung nimmt zu, die Polizei rüstet auf und die Bundeswehr wird immer häufiger im Inland eingesetzt. Zudem sollen die Menschen auch geistig auf die militaristische Sicherheitspolitik „auf Linie“ gebracht werden – mit Werbung und Propaganda an der Heimatfront. Über all diese Themen berichten wir hier.

Anti-Militarisierung

Initiative fordert einen militärfreien Kirchentag 2021

In einem Offenen Brief an das Präsidium des Ökumenischen Kirchentages 2021 fordern 72 Friedens- und Menschenrechtsgruppen, auf die Teilnahme der Bundeswehr zu verzichten – unabhängig davon, ob der Kirchentag mit physischer Präsenz, digital oder in hybrider Form stattfinden wird.

Es soll ein großes Event werden, und mitten drin will sich die Bundeswehr präsentieren: Vom 12. Mai bis 16. Mai 2021 ist in Frankfurt am Main der 3. Ökumenische Kirchentag geplant. Die Bundeswehr nutzt die Kirchentage seit Jahren für Imagewerbung und Kontaktpflege. Traditionell spielt die Bigband der Bundeswehr am Eröffnungsabend. Auch ein Kirchentags-Militärgottesdienst ist wieder geplant. Bei Diskussions-Veranstaltungen und in den Messehallen wird die Bundeswehr präsent sein. Das stößt auf Kritik.

 

Messestand gegen die Zusammenarbeit von Kirche und Militär beim Evangelischen Kirchentag 2019 in Dortmund.



Kristina Blömer, die im Bistum Aachen bei „pax christi“ aktiv ist, erläutert dazu: „Als katholische Friedensbewegung setzen wir uns für aktive Gewaltfreiheit, zivile Konfliktlösungen, Versöhnung und die Einhaltung der Menschenrechte ein – dies tun wir im Bewusstsein unseres Glaubens“, so die Referentin für Friedensarbeit. „Der Ökumenische Kirchentag würde gewinnen, wenn wir sein Motto ‚Schaut hin‘ berücksichtigen würden und die Bundeswehr nicht vertreten wäre“, so die Forderung von Blömer.
Insgesamt 72 Friedens- und Menschenrechtsgruppen aus dem christlichen Bereich und darüber hinaus wenden sich aktuell in einem Offenen Brief an das Präsidium des Ökumenischen Kirchentages 2021. Darin fordern sie:

- Kein Bundeswehr-Gottesdienst auf dem Ökumenischen Kirchentag 2021!
- Keine Beteiligung eines Militärmusikkorps!
- Keine Image-Werbung der Bundeswehr!

Ralf Willinger von der Kinderrechtsorganisation terre des hommes kritisiert vor allem den Werbeeffekt, den sich das Militär von seiner Präsenz auf dem Kirchentag verspricht: „Die Bundeswehr hat seit 2011 über 14.000 minderjährige Jungen und Mädchen als Soldaten rekrutiert und wirbt bei Minderjährigen in Schulen, auf Jugend- und Spielemessen, in Jugendmedien, über Social Media, im Internet – überall, wo sie sie erreichen kann. Sie sollte dies nicht auch noch bei einem Kirchentag tun können“, so Ralf Willinger. Selbst der „UN-Ausschuss für die Rechte des Kindes“ habe sich bereits gegen Bundeswehrwerbung bei Minderjährigen und die Ausbildung von Minderjährigen an der Waffe ausgesprochen: „Sowohl die Art der Bundeswehrwerbung als auch der Umgang mit den minderjährigen Soldatinnen und Soldaten verletzen die Kinderrechte“, mahnt Willinger. Der Kirchentag, der auch immer viele junge Menschen anzieht, sollte keine Plattform zur militärischen Rekrutierung bieten.
„Die Bundeswehr hat auf dem Kirchentag nichts verloren“, macht Thomas Carl Schwoerer, Bundessprecher der Deutschen Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK), deutlich. Seiner Meinung nach sind christliche Werte nicht mit denen des Militärs vereinbar: „Die Kirchen sollten in Frankfurt ein deutliches Zeichen für Frieden und Abrüstung setzen, statt der Bundeswehr eine Bühne zu bieten“, so Thomas Carl Schwoerer, der bei der DFG-VK in Frankfurt aktiv ist.
Für den Fall, dass das Präsidium des Kirchentags weiter an der Teilnahme des Militärs festhält, sind friedliche Protestaktionen in Planung.

Bei Fragen und für Interviews stehen Ihnen unsere Experten zu dem Thema gerne zur Verfügung. Kontakt: Rainer Schmid, evang. Theologe, Ziegelstraße 25, 73431 Aalen, Tel. 0176 3678 5211, rainer.schmid@elkw.de und Peter Bürger, kath. Theologe, Düsseldorf, peter@friedensbilder.de

Den offenen Brief gibt es unten oder auch hier als PDF.

Eine Initiative von Rainer Schmid unterstützt von der DFG-VK und 71 weiteren Organisationen, 10. Dezember 2020.

 

OFFENER BRIEF

an die Mitglieder des Präsidiums des Ökumenischen Kirchentages 2021 und an die Presse

 

Betrifft: Image-Werbung der Bundeswehr auf dem Ökumenischen Kirchentag

 

10.12.2020

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

am 12. Mai 2021 beginnt der Ökumenische Kirchentag in Frankfurt. Die Bundeswehr wird auch diesen Kirchentag für Kontaktpflege und Image-Werbung nutzen. Denn aus Sicht der Bundeswehr ist es nicht unwichtig, was die Mitglieder der Kirchen über Auslandseinsätze und Rüstungsausgaben denken. Für den Ökumenischen Kirchentag 2021 ist wieder ein Gottesdienst geplant, der von Militärbischöfen, Militärgeistlichen und Militärmusikern gestaltet wird. Hohe Vertreter*innen der Bundeswehr werden teilnehmen. Militärpolizei wird die Veranstaltung sichern.
Darüber hinaus wird die Bundeswehr bzw. werden bundeswehrnahe Organisationen auf Diskussionspodien sowie durch Messestände präsent sein. Üblicherweise beteiligt sich auch ein Bundeswehr-Musikkorps am Kirchentag. Wir leben in einer Zeit vieler Kriege und enormer Aufrüstung - auch der Bundeswehr. Kriege und Bürgerkriege haben unvorstellbar grausame Folgen. Wir meinen: Die Kirchen sollten ein Zeichen für Frieden und Abrüstung setzen, indem sie auf dem Ökumenische Kirchentag 2021 in Frankfurt keine Bundeswehr-Image-Werbung zulassen.

Deshalb fordern wir:

- Kein Bundeswehr-Gottesdienst auf dem Ökumenischen Kirchentag 2021!
- Keine Beteiligung eines Militärmusikkorps!
- Keine Image-Werbung der Bundeswehr!

 

Folgende Organisationen unterstützen diesen Brief:

  1. Aktionsbündnis "Friedlicher Hessentag"
  2. Aktiv für Frieden Bad Kreuznach
  3. Arbeitsgemeinschaft Frieden Trier (AGF)
  4. Augsburger Friedensinitiative (AFI)
  5. AWC Deutschland e.V. – Weltbürgerinnen und Weltbürger
  6. Bremer Friedensforum
  7. Brot & Rosen. Diakonische Basisgemeinschaft
  8. Bund für Soziale Verteidigung (BSV)
  9. Bundesarbeitsgemeinschaft Linke Christ*innen
  10. Bürgerinitiative für ein Potsdam ohne Garnisonkirche
  11. Bürgerinitiative OFFENe HEIDe
  12. Deutsches Mennonitisches Friedenskomitee (DMFK)
  13. DFG-VK Bundesverband
  14. DFG-VK Gruppe Erlangen-Region Oberfranken
  15. DFG-VK Gruppe Nordschwaben
  16. DFG-VK Landesverband Baden-Württemberg
  17. DFG-VK Ost
  18. Essener Friedensforum
  19. Evangelische Arbeitsgemeinschaft für Friedensarbeit und Kriegsdienstverweigerung, EAK-Württemberg
  20. Frauen wagen Frieden, Frauenfriedensgruppe in der Evang. Kirche der Pfalz
  21. Frauennetzwerk für Frieden (FNF)
  22. Friedensbildungswerk Köln e.V.
  23. Friedensbündnis Schwerin
  24. Friedensbüro Hannover
  25. Friedensforum Duisburg
  26. Friedensgruppe Daun
  27. Friedensinitiative Bad Tölz-Wolfratshausen
  28. Friedensinitiative Hersfeld-Rotenburg
  29. Friedensinitiative Langen - Sicherheit neu denken
  30. Friedensinitiative Main-Taunus
  31. Friedensinitiative Nottuln e.V.
  32. Friedensinitiative Reichenbach im Vogtland
  33. Friedenskoordination Potsdam
  34. FriedensNetz Saar
  35. Friedenspädagogischer Runder Tisch Freiburg "Schulfrei für die Bundeswehr - Lernen für den Frieden"
  36. Friedensregion Bodensee e.V.
  37. Friedenszentrum Braunschweig
  38. Fürther FriedensForum
  39. Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, GEW Hessen
  40. Hamburger Forum für Völkerverständigung und weltweite Abrüstung e.V.
  41. Hanauer Friedensplattform
  42. Heilbronner Friedensrat
  43. Horber Initiative für den Frieden
  44. IALANA – Deutschland, International Association Of Lawyers Against Nuclear Arms (Deutsche Sektion)
  45. Initiative "Welt ohne Waffen" Weimar
  46. Initiative Musiker/innen gegen die Auftritte der Militärmusikkorps
  47. Initiative Ordensleute für den Frieden
  48. Internationale Ärzte zur Verhütung des Atomkrieges und in sozialer Verantwortung e.V. (IPPNW)
  49. Internationale der Kriegsdienstgegner-innen e.V. IDK Berlin
  50. Kampagne „Unter 18 nie! Keine Minderjährigen in der Bundeswehr“
  51. Keine Waffen vom Bodensee (KWvB) e.V.
  52. Komitee für Grundrechte und Demokratie
  53. Lebenshaus Schwäbische Alb - Gemeinschaft für soziale Gerechtigkeit, Frieden und Ökologie e.V., Gammertingen
  54. NaturwissenschaftlerInnen-Initiative - Verantwortung für Frieden und Zukunftsfähigkeit e.V. (NatWiss)
  55. Netzwerk Friedensbildung Baden-Württemberg
  56. Netzwerk Friedenssteuer e.V.
  57. Ohne Rüstung Leben (ORL)
  58. Ökumenische Initiative zur Abschaffung bzw. Reform der Militärseelsorge
  59. Ökumenisches Institut für Friedenstheologie (OekIF)
  60. Ökumenisches Netz Rhein-Mosel-Saar
  61. Oldies for Future Magdeburg
  62. Pädagoginnen und Pädagogen für den Frieden (PPF)
  63. pax christi Diözesanverband Aachen
  64. pax christi Freiburg
  65. pax christi Gruppe Offenbach
  66. Rostocker Friedensbündnis
  67. RüstungsInformationsBüro (RIB)
  68. Sammlungsbewegung Aufstehen Schwerin
  69. Sichelschmiede - Werkstatt für Friedensarbeit in der Kyritz-Ruppiner Heide
  70. terre des hommes Deutschland e.V.
  71. VVN-BdA Kreisvereinigung Offenbach am Main
  72. Werkstatt für Gewaltfreie Aktion (WfGA)
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