Anti-Militarisierung

Die Militarisierung der Außen- und der Innenpolitik sind zwei Seiten einer Kriegsmedaille. Während die Bundeswehr sich immer neue Einsatzgebiete außerhalb der Bundesrepublik ersch(l)ießt, wird auch die Militarisierung im Innern immer weiter vorangetrieben: Die Überwachung der Bevölkerung nimmt zu, die Polizei rüstet auf und die Bundeswehr wird immer häufiger im Inland eingesetzt. Zudem sollen die Menschen auch geistig auf die militaristische Sicherheitspolitik „auf Linie“ gebracht werden – mit Werbung und Propaganda an der Heimatfront. Über all diese Themen berichten wir hier.

Anti-Militarisierung

Versuchte Zensur

Bericht von Alan Smithee von der GamesCom 2010 (für ZivilCourage – Das Magazin für Pazifismus und Antimilitarismus – 4/2010)


Auf der GamesCom war zwischen den Ständen der Spielehersteller auch ein Stand der Bundeswehr zu finden. Anscheinend versuchte die Armee, technikbegeisterte Jugendliche für sich zu gewinnen. Dies gefiel offensichtlich nicht allen: Am Freitag taten ungefähr 25 maskierte Personen ihren Unmut auf kreative Weise kund: Sie bewarfen den Stand der Bundeswehr mit Konfetti, Luftschlangen und Klopapier. Auf einem Transparent war zu lesen „Game Over! Es gibt kein zweites Leben. Bundeswehr wegklicken!“ Außerdem wurden Flyer verteilt, auf denen unter anderem zu lesen war „Klopapier gegen Scheißspiele!“ Nach kurzer Zeit kam der Sicherheitsdienst, und die Aktivisten verließen schnell den Platz.

Doch damit war das Erlebnis nicht vorbei: Die Sicherheitsdienstler kamen auf vier junge Journalisten zu und baten diese, mit nach draußen zu kommen. Diese waren sichtlich überrascht, da sie Presseausweise besaßen und nicht Teil der Protestaktion gewesen waren. Trotzdem wurden nun sie anstelle der eigentlichen Aktivisten befragt. Etwa zehn Sicherheitskräfte standen um sie herum sowie einige der Bundeswehrsoldaten, später kam noch der Presseverantwortliche der Messe hinzu. Insgesamt eine Stunde inklusive Wartezeiten dauerten die Gespräche, die in einem verständnisvollen Ton verliefen. Aus Angst um den öffentlichen Ruf der Veranstaltung wurden die Journalisten schließlich gebeten, nicht ausführlich über die Aktion zu berichten. Diese könne in einigen Sätzen erwähnt werden, der Bericht sollte dann jedoch vorab an den Presseverantwortlichen der Messe zur Ansicht geschickt werden. Dies war allerdings weniger eine Bitte, als eine Voraussetzung, um endlich aus dem Gespräch entlassen zu werden. Die Tatsache, dass die Bundeswehr mit einem Stand auf einer Spielemesse präsent sein darf, ist an und für sich schon fragwürdig. Doch nun wurde auch noch die Berichterstattung über kritische Proteste untersagt. Anscheinend soll hier der Presse ein Maulkorb angelegt werden.

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