Kriege und Konflikte

In vielen Regionen der Erde finden bewaffnete Konflikte und Kriege statt. Egal ob mit oder ohne Beteiligung Deutschlands, wir setzen uns weltweit für ein Ende von Gewalt ein. Hier werden wir über Hintergründe und Auswirkungen heutiger Gewalt informieren und unsere Vorstellungen ziviler und gewaltfreier Konfliktlösung präsentieren, denn Krieg ist ein Verbrechen! Über alles im Zusammenhang mit „Kriegen und Konflikten“ werden wir hier berichten.

Kriege und Konflikte

Jugendoffiziere in der LehrerInnenausbildung - am Beispiel Baden-Württemberg

Von Klaus Pfisterer (in ZivilCourage 1/2012 - Zeitschrift der DFG-VK für Antimilitarismus und Pazifismus)

Die Jugendoffiziere der Bundeswehr sind in Baden-Württemberg zunehmend an den staatlichen Seminaren für Didaktik und Lehrerbildung tätig. Dies geht zum einen aus der Antwort des Kultusministeriums vom 22. März 2011 auf eine
https://www.dfg-vk.de/dateien/DS_14_7663_Jugendoffz_an_staatl_Seminaren.pdf
Kleine Anfrage des Abgeordneten Christoph Bayer (SPD)
hervor und zum anderen aus dem Jahresbericht 2010/2011 der
https://www.dfg-vk.de/dateien/Jugendoffz_Jahresbericht_BW_2010.pdf
Jugendoffiziere aus Baden-Württemberg vom 31. Juli 2011
.

Aus der Antwort des Kultusministeriums ergibt sich, dass an den Staatlichen Seminaren für Didaktik und Lehrerbildung (SSDL) in Kooperation mit den Jugendoffizieren folgende Veranstaltungen durchgeführt wurden:

Kalenderjahr - 2007 - 2008 - 2009 - 2010
SSDL Berufssch. - 4 - 5 - 8 - 4
SSDL GHWRS* - 2 - 2 - 1 - 3
SSDL Gymnasien - 5 - 2 - 4 - 3
SSDL Realschulen - 2 - 4 - 4 - 4
Summe - 13 - 13 - 17 - 14
*GHWRS = Grund- und Hauptschule mit Werkrealschule


Zahl der teilgenommen LehramtsanwärterInnen:

Kalenderjahr - 2007 - 2008 - 2009 - 2010
SSDL - 146 - 71 - 256 - 47
SSDL GHWRS - 27 - 33 - 41 - 79
SSDL Gymnasien - 100 - 38 - 217 - 54
SSDL Realschulen - 64 - 108 - 108 - 116
Summe - 337 - 250 - 622 - 296

Es gab in den Jahren 2007 bis 2010 insgesamt 57 Fortbildungsveranstaltungen, bei denen 1.505 Personen erreicht wurden.

Aus der Einzelaufstellung der Veranstaltungen geht hervor, dass mehr als die Hälfte (36 Veranstaltungen) Pflichtveranstaltungen waren. Dabei handelte es sich um „POL&IS“-Seminare, Didaktikveranstaltungen, Expertengespräche, Studienfahrten, Besuche in Kasernen, „Sicherheitspolitische Tage“ und Vorstellung des didaktischen Angebots der Bundeswehr, die sich auf alle Schularten bezogen

Im Jahr 2010 waren die Jugendoffiziere an 9 Seminaren tätig. (Berufsschulen: Freiburg, Karlsruhe, Stuttgart; Grund-Haupt-Werkrealschulen: Lörrach, Schwäbisch Gmünd; Realschulen: Schwäbisch Gmünd, Freiburg; Gymnasien: Karlsruhe, Stuttgart)

Es wurde auch nachgefragt, wie viele Fortbildungen mit Friedensorganisationen im gleichen Zeitraum durchgeführt wurden. Antwort: 1! Das Friedensinstitut Tübingen konnte im Jahr 2010 einmalig sein didaktischen Angebot darstellen. Inhaltliche Themen fanden keinen Eingang in die Ausbildung der LehramtsanwärterInnen.

Aus dem Bericht der Jugendoffiziere aus Baden-Württemberg geht hervor, dass die insgesamt 11 Jugendoffiziere mit den vier Regierungspräsidien sehr eng zusammenarbeiten. Im Betreuungsbezirk Baden soll die Zusammenarbeit mit den staatlichen Seminaren für Didaktik und Lehrerbildung von vier auf sechs erhöht werden.

Auch unter der grün-roten Landesregierung gibt es eine enge Zusammenarbeit zwischen dem Kultusministerium und den Jugendoffizieren, die in dem Bericht als durchweg gut bezeichnet wird. Die Jugendoffiziere sehen sich in ihrer Arbeit gewürdigt, auch die Resonanz bei den Referendaren sei zum größten Teil positiv, und sie hoffen auf einen Ausbau der Kooperation mit den Staatlichen Seminaren für Didaktik und Lehrerbildung.

Lehramtsanwärter stehen während ihrer Ausbildung in einem gewissen Abhängigkeitsverhältnis zur Seminarleitung. Sie haben die geringsten Möglichkeiten, sich gegen den zunehmenden Einfluss der Bundeswehr zur Wehr zu setzen. Nur die Mutigsten werden sich gegen den schleichenden Einfluss der Militärs zur Wehr setzen, denn immer noch entscheiden die Noten über Einstellung oder Arbeitslosigkeit. Die Referendarszeit soll die angehenden LehrerInnen auf ihren Beruf vorbereiten. Pädagogik und Didaktik stehen dabei im Mittelpunkt ihrer Tätigkeit. Ausbildungsteile der Bundeswehr haben hier nichts zu suchen.

Das Ganze kann nur einen Grund haben: Die sicherheitspolitischen Vorstellungen der Bundesregierung bzw. des Verteidigungsministeriums sollen den angehenden PädagogInnen nahegebracht werden, um sie als MultiplikatorInnen für künftige Einladungen in die Schulen zu gewinnen. Das ist nicht die Aufgabe der Ausbildung. Daher muss die Kooperationsvereinbarung gekündigt und die Arbeit der Jugendoffiziere in den Seminaren für Didaktik und Lehrerbildung beendet werden.

Klaus Pfisterer ist Sprecher des DFG-VK-Landesverbands Baden-Württemberg und seit Jahrzehnten mit dem Thema beschäftigt.
http://www.zc-online.de
(in ZivilCourage 1/2012 – Zeitschrift der DFG-VK für Antimilitarismus und Pazifismus)

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