Theorie und Praxis

Der politische Pazifismus unseres Verbands verlangt dauerhaftes politisches Handeln mit dem Ziel, Bedingungen für eine Welt ohne Krieg und Unterdrückung zu schaffen. Aus der Überzeugung, dass sich Mittel und Ziel entsprechen müssen, verfolgt die DFG-VK ihre politischen Ziele ausschließlich mit gewaltfreien Mitteln. Über die dazugehörige Theorie und die Praxis unseres Handelns gibt es hier weitere Informationen – außerdem geht es auch um Interna aus unserem vielfältigen und unabhängigen Friedensverband.

Theorie und Praxis

Friedensgedicht – Für das Leben! „Bist du das Gesicht?“

von Monika Riemer

Bist du das Gesicht, dass ich kürzlich,
während der Tagesschau für zwei Sekunden in der Fotogalerie des Todes -
zum traurigen Medien-Star aufleuchten sah?

Bald vier Jahre ist es nun her:
Ich stand vor dir im Zug nach Berlin.
Es war ein sonniger, schöner Tag.
Du schautest mich an:
Lachend, mit stolzem Gesicht.
Fest eingedrückt in Kameraden-Schar.
Spiel-Karten in der Hand . -
Wie alle jungen Soldaten vor dir der letzten hundert Jahr‘;
in vollgestopften Zügen,
die sie nicht schnell genug aus dem Frieden fortreißen konnten.

Du hast mich erinnert an meinen Sohn,
der jetzt wohl so alt ist wie du damals warst.

(bild586)
https://www.frieden-mitmachen.de/34/den_krieg_in_afghanistan_beenden_%E2%80%93_zivil_helfen!
Ich hielt dir die Liste zum Unterschreiben hin -

gegen den Krieg und sprach zu dir gegen den Wahn.

Dein Gesicht strahlte jugendliche Unbekümmertheit,
strahlte Zuversicht aus:
Mir passiert schon nichts.
Flieg von Berlin nach Afghanistan.
Ich bin doch geschützt von der Bundeswehr.
Auch wärs sonst Verrat
an der Demokratie
für mich als Soldat. -
Und außerdem -
wie solln denn sonst
freie Wahlen in dem Lande entstehn?


(bild318) Ich setzte zum Diskutieren an.
Und wusste schon bald:
Gegen kasernierte, infiltrierte Droge von
Soldatentaumel im Gepäck und Gruppenzwang
kommst du allein nicht an.

In Ausflugslaune, mit guter Stimmung wurde weiter gezockt.-
Sie wußten von nichts.
Derweil haben Menschen in ihren brennenden Häusern
geschrien bis zuletzt.

Deine Kameraden und du -
ihr ließet mich
ohne Unterschrift gehen.
Die meisten von euch werden bald
vor Kriegsbildern fliehen und verstehen
bis zuletzt.

Ein paar Reihen weiter im Zug zogen sich hastig
adernreiche, alte, zitternde Hände aus dem Schoß -
der nicht mehr fruchtbar war.
Beiderseits verstehend blickten wir uns an
ohne viel Worte und griffen zu Stift und Papier.

Die Listen füllten sich schnell.

(bild589) Warum nur
warum wart ihr nicht im selben Abteil?

Warum nur
warum wart ihr so stumm?

Hättet mit wunden, faltigen Seelen
von Tod und Ascheregen,
verzweifelt und schreiend in Schützengräben
nach einem Stück Brot und Wasser
suchend doch erzählen können.

Hätten Mütter und Väter, Brüder und Schwestern
doch bloß festgehalten!
Zum Ausprobieren ist keine Zeit.
Da bleibt nur die Ewigkeit. -

Wie viel traurige Medien-Stars wolln wir noch sehn?

Wie viel Wirtschafts- und Rüstungslobbyisten dürfen noch
mit humanitärem Nebelgesäusel Verbrechen begehen?

(bild390) Wie viel Jahre noch dürfen Mandatsträger Grundgesetz und Völkerrecht
brechend für Profitgier und Macht in Amt und Würden stehen?

Es stirbt sich kein Heldentod für Demokratien im Unrechtsstaat.
Denn Krieg ist Verrat!
An der Zukunft, der Jugend, der Menschlichkeit!
Ist Verrat an diesem jungen Gesicht!
Es wollte leben und glaubte, dass etwas Gutes geschehe aus diesem Staat.

Wer jetzt noch die Hand hebt im Parlament
und verlängert die Qual -
denen wünscht ich wohl tausendmal:
In ihren Träumen die erloschenen Augen, die vielen Gesichter
des ganzen Elends zu sehn!

(Monika Riemer)

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