Theorie und Praxis

Der politische Pazifismus unseres Verbands verlangt dauerhaftes politisches Handeln mit dem Ziel, Bedingungen für eine Welt ohne Krieg und Unterdrückung zu schaffen. Aus der Überzeugung, dass sich Mittel und Ziel entsprechen müssen, verfolgt die DFG-VK ihre politischen Ziele ausschließlich mit gewaltfreien Mitteln. Über die dazugehörige Theorie und die Praxis unseres Handelns gibt es hier weitere Informationen – außerdem geht es auch um Interna aus unserem vielfältigen und unabhängigen Friedensverband.

Theorie und Praxis

PAXX - Peace Action Trainings 2010

Kreative Aktionen und gewaltfreier Protest - Aktionstrainings für die Friedensbewegung
http://www.dfg-vk.de/dateien/ZC-1002-WEB.pdf
für die ZivilCourage 2/2010
von Roland Blach

Der Einsatz für eine nichtmilitärische Abrüstungs- und Friedenspolitik ist notwendiger denn je: In Afghanistan eskaliert der Krieg mit deutscher Beteiligung. Die Ablehnung in der Öffentlichkeit wächst stetig. Personen und Organisationen der Friedensbewegung haben Vorschläge vorgelegt, wie durch Verhandlungen der kriegerische Konflikt bearbeitet werden kann. Diese müssen von der Regierung für eine schnelle Ausstiegsstrategie endlich genutzt werden.

US-Präsident Obama hat sich für eine atomwaffenfreie Welt ausgesprochen. Auch wenn die Bundesregierung den Abzug der Atomwaffen aus Deutschland plant, bedarf es des weiteren öffentlichen Drucks, damit die Atombomben wirklich abgezogen werden.

Deutschland ist auf Platz drei der weltweiten Waffenlieferanten aufgestiegen. Mit geeigneten Aktionen soll auf Einhaltung und Ausdehnung von Rüstungsexport-Restriktionen gedrängt werden, um Rüstungsexporte schließlich vollständig zu stoppen.

Während die Abschaffung der Wehrpflicht absehbar ist, wirbt die Bundeswehr verstärkt um Zeit- und Berufssoldaten für ihre Kriegseinsätze durch vermehrte Auftritte an Schulen, Ausbildungs- und Jobmessen und an Arbeitsämtern. Diesem Trend wirken wir durch Beratung von Kriegsdienstverweigerern und Antirekrutierungsarbeit entgegen.

Mit PAXX - Peace Action Trainings ziehen die DFG-VK als Initiator und alle weiteren mitorganisierenden Gruppen und Organisationen die Konsequenzen aus der Überalterung der Friedensbewegung, der oft fehlenden Kreativität und den Anti-Nato-Protesten im Frühjahr 2009, an der die DFG-VK neben vielen weiteren Organisationen der Friedensbewegung maßgeblich beteiligt war. Die ZivilCourage und weitere Publikationen der Friedensbewegung haben sich mit den Ereignissen intensiv und differenziert auseinandergesetzt. In regionalen, landesweiten und bundesweiten Nachbesprechungen haben Aktive der DFG-VK und andere beteiligte Friedensorganisationen die Aktionen analysiert und bewertet.

Die Proteste hatten trotz intensiver koordinierter Vorbereitungen des Organisationskomitees, in dem auch der DFG-VK-Bundesgeschäftsführer Monty Schädel und viele weitere Aktive der Friedensbewegung engagiert waren, zu wenig von der inhaltlichen Kritik an der Kriegspolitik der Nato in die Öffentlichkeit vermitteln können. Die Bilder der gewalttätigen Auseinandersetzungen prägten die Berichterstattung in den Medien. Die Proteste haben weder zu dauerhaften Aktivitäten noch zu mehr Aktiven geführt und vor allem Fragen nach alternativen Aktionsformen für zukünftige Aktivitäten aufgeworfen. Zudem konnten der Eskalation durch Polizei und Ordnungskräfte und gewaltbereiten DemonstrantInnen nicht genügend eingeübte deeskalierende Aktionsformen entgegengesetzt werden.


Inhalte in Aktion umsetzen

Als längerfristiges Projekt wirbt PAXX bereits in der Vorbereitungsphase der ersten Konferenz Ende Oktober 2010 für gewaltfreie und kreative Protest- und Widerstandsformen. Auf der Konferenz selbst sollen positive und lehrreiche Erfahrungen mit entsprechenden Aktionsformen dargestellt und weitergegeben werden. Wo nötig, können sie weiter entwickelt und durch intensivere Vernetzung in der täglichen Arbeit mit lokalem Bezug tatsächlich angewendet werden.

Die Auseinandersetzung mit wieder entdeckten bzw. neuen Formen des gewaltfreien Widerstands in der Friedensarbeit soll kreative Potenziale bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen ansprechen. Ziel ist es außerdem, erfahrenen FriedensaktivistInnen Anregungen zu geben, eingefahrene Rituale und Routine neu zu diskutieren und ihnen eventuell neuen Schwung zu geben.

Zielgruppe von PAXX sind vorrangig diejenigen, die sich mit friedlichen Mitteln gegen Gewalt, Krieg und Militarismus engagieren. Auch mit denjenigen, die sich als militant im Sinne von gewaltbereit verstehen, wollen wir in den Dialog treten und versuchen, Aktionsformen auf einer gemeinsamen Grundlage zu entwickeln. Wir wollen, dass die DFG-VK und die gesamte deutsche Friedensbewegung ihre Vielfalt, Erfahrung und Stärke im Hinblick auf gewaltfreie und widerständige Protestformen vielfältiger ausbaut und effektiver und zielgerichteter zum Einsatz bringt.

Anlässe für PAXX-Aktionsformen gibt es genügend: die Auslandseinsätze der Bundeswehr (insbesondere in Afghanistan), die zahlreichen weltweiten Konflikte wie zum Beispiel im Nahen Osten, Sudan oder Kaukasus, die immer dreisteren Machenschaften der Rüstungsindustrie, die Rekrutierungsarbeit der Bundeswehr bis hin zur Rüstungsforschung an Unis - wir sind gefordert!

Die Friedensbewegung hat bemerkenswerte und vor allem konkrete alternative Konzepte zur zivilen Bearbeitung von Konflikten anzubieten. Diese Grundlagen und Erkenntnisse gilt es, in den auf gewaltvolle Bilder ausgerichteten Medien mit spektakulären Aktionsformen wirksamer darzustellen, um dadurch die Chancen auf politische Einflussnahme zu erhöhen.

Ein erster Meilenstein wird mit dem Start der bundesweiten PAXX- Konferenz vom 29. Oktober bis 1. November 2010 im Volkshaus in Mannheim erreicht werden: mit friedensbewegten und aufbruchsbereiten Menschen. Erwartet werden ca. 100 TeilnehmerInnen. Weitere mehrtägige Workshops werden ab 2011 folgen.

Derzeit wird eine Webseite erstellt, die das Rückgrat für Kommunikation und Organisation über 2010 hinaus darstellt. Für die Vorbereitung der Aktionskonferenz dient sie zum Austausch von Ideen, Erfahrungen von Aktionen durch Texte, Töne, Bilder und Filme und Mitmachaktionen. Die Webseite wird so konzipiert, dass sie sowohl internetgewohnten wie auch anderen Menschen eine einfach zu handhabende Beteiligung ermöglicht. Durch ein vielfältiges inhaltliches Angebot soll sie die Anlaufstelle für Informationen über kreative Aktionen gegen Krieg und Militarismus werden.

Im November 2009 wurde die Vorbereitung für PAXX auf dem landesweiten Aktiventreffen des DFG-VK-Landesverbandes Baden-Württemberg in Mannheim gestartet. Auf mehreren darauf folgenden Arbeitstreffen wurden Name, Konzept und Zielsetzung entwickelt und bis Anfang April weiter präzisiert. Auf verschiedenen Tagungen der Friedensbewegung wurde bereits dafür geworben.

PAXX wird von bundesweit und regional arbeitenden pazifistischen und antimilitaristischen Organisationen (u.a. DFG-VK, Bund für Soziale Verteidigung, Werkstatt für Gewaltfreie Aktion Baden) vorbereitet und im Wesentlichen von der DFG-VK koordiniert.

Die PAXX findet mit Förderung des EU-Programms für lebenslanges Lernen statt
(bild601)

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