Waffen und Rüstung

Mit dem Tod und der Zerstörung und Vernichtung von Lebensgrundlagen wird weltweit Profit gemacht. Dass in der Folge des unverantwortlichen Waffenhandels Kriege entstehen und Menschen zur Flucht gezwungen werden, sollte nicht verwundern. Unsere Forderung lautet daher: „Grenzen öffnen für Menschen. Grenzen schließen für Waffen.“ Hier finden sich Informationen über die Nutznießer und Betreiber des internationalen und deutschen Waffenhandels und über unsere Aktivitäten gegen die todbringenden Geschäfte.

Waffen und Rüstung

„Erlebe die Zukunft des Krieges“

Bei der Darstellung des Militärs arbeiten Videospielbranche und Rüstungsindustrie eng zusammen – wie das bald erscheinenden Spiel „Tom Clancy’s Ghost Recon: Future Soldier“ zeigt, werden dabei sogar zukünftige Entwicklungen von Militärtechnik vorweg genommen.

Bald soll mit „Future Soldier“ der fünfte Teil der von US-Bestsellerautor Tom Clancy erdachten Taktik-Shooter-Saga „Ghost Recon“ erscheinen. Die Videospiel-Entwickler von UbiSoft versprechen ein spannendes Szenario. Der Spieler schlüpft in die Rolle eines jungen Rekruten einer US-Eliteeinheit. Als Ultranationalisten den russischen Präsidenten stürzen, kommt die US-Einheit zum Einsatz.

Bei der Waffenauswahl wurden die Spielentwickler nach eigenen Aussagen von realen Prototypen, die im Zuge des „Future Soldier 2030“-Programms des US-Militärs konzipiert wurden, inspiriert: Camouflage macht die Spielfiguren in „Ghost Recon: Future Soldier“ nahezu unsichtbar, ein Exo-Skelett verbessert die physischen Fähigkeiten und ein im Kampfanzug integrierter Mörser verleiht dem Spieler eine enorme Feuerkraft. Damit nimmt das Spiel reale Rüstungsentwicklungen vorweg.


Institutionalisierte Zusammenarbeit

„Informationen, inwieweit militärische Berater für die aktuelle Entwicklung tätig sind liegen uns nicht vor“, so Karsten Lehmann, Pressesprecher von UbiSoft-Deutschland. Allerdings: „Ghost Recon: Advanced Warfighter“, der Vorgänger von „Future Soldier“ sei vom UbiSoft-Studio „Red Storm Entertainment“ nahe dem Militärstützpunkt Fort Bragg, einer der größten Armee-Komplexe der Welt, im US-Bundesstaat North Carolina entwickelt worden. Die geografische Nähe wurde laut UbiSoft genutzt um Prototypen von Waffensystemen ins Spiel einzubauen. „Es liegt nahe, dass dies wieder der Fall ist“, so UbiSoft-Sprecher Lehmann. Auch wenn das Spiel diesmal nicht federführend von Red Storm Entertainment programmiert wurde, scheint sich die Zusammenarbeit zwischen Spielentwickler und Militär institutionalisiert zu haben: Mit „Erlebe die Zukunft des Krieges“ wirbt UbiSoft für das Spiel. Zudem wird auf der offiziellen Ghost-Recon-Website nicht selten über aktuelle Entwicklungen in der Rüstungsindustrie informiert, dabei wird auch auf die Internetseiten der Rüstungsproduzenten – etwa auf die des US-Militärhubschrauber-Herstellers Sikorsky – verlinkt.

Bei Videospielen, in denen aktuelles Militär oder das der nahen Zukunft behandelt wird, greifen Entwicklungsfirmen gern eine Kooperation mit den Herstellern der im Spiel dargestellten Rüstungsgüter auf. So wurde das actionreiche Luftkampfspiel „Tom Clancy’s H.A.W.X. 1“, welches ebenfalls von UbiSoft hergestellt wurde, gleich von sechs Rüstungsfirmen unterstützt: Boeing, Dassault Aviation, Eurofighter Typhoon, Lockheed Martin, Northrop Grumman und Saab. Beim Nachfolger „H.A.W.X. 2“ kamen zu den sechs noch der britische Rüstungskonzern „BAE Systems“ und der US-Konzern „Bell Helicopter“ hinzu: „Die neuesten Technologien der weltweit größten Verteidigungs-Unternehmen und der fortschrittlichsten Militärfirmen stehen dem Spieler in H.A.W.X. 2 zur Verfügung, darunter über 40 lizensierte Flugzeuge und Prototypen“, heißt es dazu in einer Pressemitteilung von UbiSoft. Gerade bei Simulationsspielen, die nah an die Realität heranreichen sollen, wird oft mit Rüstungskonzernen zusammengearbeitet, um die Militärgeräte so detailgetreu wie möglich abbilden zu können.

Besonders bei großen Waffensystemen wie Kampflugzeugen, Hubschraubern oder Panzern hat die Darstellung in Videospielen auch einen legitimierenden Effekt für die Rüstungsindustrie. Bekommt der Normalbürger Kampfjets im Alltag kaum zu Gesicht, kann er vor dem Bildschirm mithilfe eines Videospiels gleich selbst ins Cockpit einsteigen. Und wenn der Bürger erst einmal vom High-Tech-Waffensystem begeistert ist, fällt es leichter die meist horrenden Kosten der Waffensysteme zu legitimieren.


Kein Frieden mit Kriegsspielen

Stephan Möhrle, Vorstandsmitglied des Freiburger „RüstungsInformationsBüros“ (RIB e.V.) sieht für die Militärindustrie noch einen weiteren Vorteil: „Die Industrie hat natürlich ein Interesse daran, ihren Namen zu präsentieren.“ Am Bekanntheitsgrad könne man auch den Wert eines Unternehmens messen. Als Beispiel nennt Möhrle den deutschen Kleinwaffenhersteller „Heckler & Koch“ aus Oberndorf am Neckar, dessen Pistolen- und Gewehrmodelle „MP5“ und „G36“ in nahezu jedem First-Person-Shooter spielbar seien. Eine Nachfrage des Autors, ob „Heckler & Koch“ Videospielproduktionen unterstütze oder wenigstens Lizenzen zur Darstellung ihrer Waffen an die Spielfirmen vergebe, blieb unbeantwortet. Besonders zur Kooperation deutscher Rüstungsunternehmen sowie der Bundeswehr mit Videospielherstellern ist kaum etwas bekannt.

Beängstigend findet Stephan Möhrle die Ankündigung neuer Waffensysteme wie die optischen Tarnanzüge und autonomen Bodenkampfdrohnen im bald erscheinenden „Ghost Recon: Future Soldier“: „Das gibt einen Gewöhnungseffekt – die Spieler gewöhnen sich an den Anblick der Waffen“, so Möhrle. Der Bevölkerung solle klar gemacht werden, dass die in den Videospielen dargestellten Waffen etwas ganz normales seien: „Zudem werden die Waffen in einem positiven Licht dargestellt weil damit im Spiel ja vermeintlich Gutes getan wird. Das kommt der Rüstungsindustrie für ihr Image-natürlich zugute“, erklärt das junge Vorstandsmitglied des „RüstungsInformationsBüros“.

Wäre es also besser, wenn in Videospielen nur noch fiktionale Waffen dargestellt würden, die sich auch nicht in der Entwicklung befinden? Nein, meint Stephan Möhrle: „Auch wenn wir in die Science-Fiction hineingehen sehen wir, dass die Waffen früher oder später real entwickelt werden. Zudem greifen auch vermeintlich erdachte Waffen oft auf reale Systeme zurück.“

Ein Ende der Darstellung von Waffen und Gewalt – und damit vor allem auch ein Ende des finanziell erfolgreichen Genres der First-Person-Shooter – ist im Moment aber utopisch. So werden Krieg und Militär wie in „Ghost Recon: Future Soldier“ wohl auch weiterhin beliebte Spielszenarien geben. Die nächsten Kriegsspiele stehen schon in den Startlöchern: für Herbst wird die Veröffentlichung von „Battlefield 3“ erwartet, welches wohl neue Maßstäbe in dem Genre setzen wird. Anfang November wird in “Call of Duty – Modern Warfare 3″ der Dritte Weltkrieg aus den Vorgängerspielen fortgeführt – friedlicher wird die Welt dadurch jedenfalls nicht.

Michael Schulze von Glaßer

Quelle:

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