Waffen und Rüstung

Mit dem Tod und der Zerstörung und Vernichtung von Lebensgrundlagen wird weltweit Profit gemacht. Dass in der Folge des unverantwortlichen Waffenhandels Kriege entstehen und Menschen zur Flucht gezwungen werden, sollte nicht verwundern. Unsere Forderung lautet daher: „Grenzen öffnen für Menschen. Grenzen schließen für Waffen.“ Hier finden sich Informationen über die Nutznießer und Betreiber des internationalen und deutschen Waffenhandels und über unsere Aktivitäten gegen die todbringenden Geschäfte.

Waffen und Rüstung

Waffenschmiede Heckler & Koch feiert 60. Geburtstag - unter Protest der Friedensbewegung!

Gewehre für Nato-Krieger und Diktatoren von Jürgen Grässlin für Zivilcourage 1/2009

Im Jahr 2009 „feiert“ nicht nur die Nato ihr 60-jähriges Bestehen, sondern auch einer ihrer wichtigsten Waffenlieferanten: Am 28. Dezember 1949 wurde die Oberndorfer Waffenfirma Heckler & Koch (H&K) gegründet, heute Europas größter Gewehr- und Pistolenhersteller. Dabei ist H&K das deutsche Unternehmen, mit dessen Waffen nach dem Zweiten Weltkrieg die meisten Menschen getötet oder verstümmelt worden sind - bei Kampfeinsätzen der Nato, in Kriegen und in Bürgerkriegen in aller Welt. Möglich wurde dieses Szenario durch 15 Lizenzvergaben für das Schnellfeuergewehr G3 und fast ebenso viele für die Maschinenpistole MP5 und andere H&K-Waffen. Das tödliche G3-Szenario vergangener Jahrzehnte wiederholt sich mit dem neuen, noch treffsicheren G36. Spanien besitzt bereits eine G36-Lizenz zum Nachbau, viele Armeen, Spezialeinheiten und Polizeien setzen G36 bei ihren Kampfeinsätzen ein - z.B. im Irak, in Afghanistan, in Georgien, Nepal, dem Libanon und vielen weiteren Ländern.
60 Jahre Heckler & Koch: Kein Grund zum Feiern! sagt die Friedensbewegung und ruft 2009 zur Teilnahme an den Informationsveranstaltungen und Aktionen gegen die menschenverachtenden H&K-Rüstungsexporte auf.


60 Jahre H&K - eine Firmengründung mit tödlichen Folgen

Die Waffenproduktion blickt in Oberndorf am Neckar auf eine nunmehr fast zweihundertjährige Tradition zurück. Im November 1811 begann der Umbau des säkularisierten Augustinerklosters zur „Königlichen Waffenfabrik“, bald darauf wurde die Gewehrfabrikation aufgenommen. Im Jahr 1872 gründeten die Brüder Wilhelm und Paul Mauser die Firma Gebrüder W. & P. Mauser.
Bis zur Gründung der Heckler & Koch GmbH durch die vormaligen Mauser-Mitarbeiter Edmund Heckler, Theodor Koch und Alex Seidel sollten mehr als eineinhalb Jahrhunderte vergehen. Am 28. Dezember 1949 - im Jahr der Nato-Gründung - erfolgte der Eintrag der Oberndorfer Waffenschmiede ins Handelsregister. Gleich in den Gründerjahren arbeitete H&K eng mit Scheindemokraten und Diktatoren zusammen. Im Jahr 1951, als die Waffenproduktion in Deutschland noch verboten war, erfolgte die Vorführung des ersten Prototyps für das spätere G3-Schnellfeuergewehr vor dem spanischen Diktator Francisco Franco. Im Jahr danach wurde die Firmenzentrale aus dem engen Neckartal in die in der Oberstadt gelegene frühere Adolf-Hitler-Siedlung, den heutigen Stadtteil Oberndorf-Lindenhof, verlegt, wo bis heute der Stammsitz des Unternehmens ist. Mit dem Aufbau der Bundeswehr erwarb der Bund 1958 die G3-Lizenz, auf deren Basis das Schnellfeuergewehr entwickelt wurde. 1961 erfolgte die erste G3-Lizenzvergabe an das Regime des portugiesischen Diktators Salazar.


Lizenzvergaben und Direktexporte - H&K-Waffen auf den Schlachtfeldern der Welt

In einer CDU/CSU-SPD-FDP-Allparteienkoalition vergaben die Bundesregierungen in den sechziger und siebziger Jahren fünfzehn G3-Lizenzen zum Nachbau des Schnellfeuergewehrs an Portugal (1961), Pakistan (1963), Schweden (1964), Norwegen (1967), Iran (1967), Türkei (1967), Saudi-Arabien (1969), Frankreich (1970), Thailand (1971), Brasilien (ca. 1976), Griechenland (1977) und Mexiko (1979). Weitere G3-Lizenzen erhielten Myanmar/Birma, die Philippinen und Malaysia. Kein anderes Gewehr kann derart viele Lizenzvergaben verzeichnen. Damit tragen die Bundesregierungen, gleich welcher parteipolitischen Couleur, massiv Mitschuld an der Globalisierung des Handfeuerwaffenmarktes. Die Bundesregierung unter Kanzler Kohl bestätigte Ausfuhrgenehmigungen „für G3-Gewehre bis 1988 für über 80 Staaten“. Gemessen an der Zahl offiziell bestätigter Empfängerländer ist die Heckler & Koch GmbH damit deutscher Rüstungsexportmeister.
Neben dem G3 gehört vor allem die Maschinenpistole MP5 zur, so die Firmensprache, „Waffenfamilie“. So ist auch das Ergebnis der MP5-Direktexporte und -Lizenzvergaben an neun Staaten dramatisch: Ganz offiziell schießen heute Sicherheitskräfte in mindestens 61 Staaten mit dem so genannten »Mercedes« unter den Maschinenpistolen. Anders als beim G3 hat H&K als MP5-Lizenzgeber diese -vergaben zu verantworten. Die Brüche der Endverbleibserklärungen und Re-Exporte an Drittstaaten durch den türkischen MP5-Lizenznehmer MKEK hat bis zum heutigen Tag keinerlei rechtliche Folgen nach sich gezogen. Beim Rechtsbruch dieser Art drücken die Verantwortlichen der Firma und der Bundesregierung offenbar beide Augen zu.


Alle 14 Minuten stirbt ein Mensch durch eine H&K-Waffe

Das Ergebnis dieser jahrzehntelangen Rüstungsexport- und Lizenzvergabepolitik von H&K und den Bundesregierungen ist katastrophal. Seither schießen Soldaten und Kindersoldaten, Polizeien, Terroristen und Guerillaeinheiten in Staaten wie Somalia, dem Sudan, in Uganda, der Türkei, Mexiko, dem Iran, dem Irak und in vielen weiteren Krisen- und Kriegsgebieten mit G3, MP5 und anderen H&K-Waffen, von denen mehr als 11 Millionen weltweit im Einsatz sind. Durchschnittlich alle vierzehn Minuten stirbt ein Mensch durch eine Kugel aus dem Lauf einer Heckler & Koch-Waffe. Mehr als 1,5 Millionen Menschen sind bis zum heutigen Tag mit H&K-Waffen erschossen, weit mehr verwundet und verstümmelt worden.
Unzählige Menschen führen als körperlich Verstümmelte oder psychisch Traumatisierte ein schwer belastetes Leben. Vielen von denen, die den Beschuss mit H&K-Waffen überlebt haben, fehlen Gliedmaßen oder sie tragen Kugeln bzw. deren Splitter im Körper.
Die immense Zahl der H&K-Opfer macht deutlich: Heckler & Koch ist das Unternehmen, dessen Produkte seit Gründung der Bundesrepublik Deutschland die meisten Verstümmelten und Toten zur Folge hatten.
Doch die meisten Opfer leben auf anderen Kontinenten und bleiben unbekannt. Ein Schuss aus einem H&K-Waffe reicht aus, einen Menschen von einer Sekunde zu andern zeitlebens zum Krüppel zu machen. Die meisten Opfer können aufgrund ihrer Traumatisierung nicht einmal sagen, mit welcher Waffe sie verstümmelt wurden. Das Schicksal des somaliländischen Teehausbesitzers Abdirahman Dahir Mohamed bildet die Ausnahme: Er ist im Besitz des G3-Gewehres, mit der ihm das rechte Bein abgeschossen worden ist. Wegen des daraus resultierenden Knochenfraßes muss sein Oberschenkelknochen immer weiter abgesägt werden. (Jürgen Grässlin: Versteck dich, wenn sie schießen. München 2003, S. 138 ff.)


Fortsetzung des G3-Desasters mit dem G36

Geht es nach dem Willen der H&K-Geschäftsführung und der Bundesregierung, dann kann das Morden mit deutschen Gewehren auch in Zukunft fortgesetzt werden. Den Jahren des G3-Desasters folgen nunmehr die des noch treffgenaueren G36.
Das G3-Nachfolgegewehr zeichnet sich durch eine um rund 50 Prozent erhöhte Feuerkraft und ein spürbar geringeres Gewicht aus und bietet Soldaten im Kampfeinsatz einen entscheidenden Vorteil bei der Beweglichkeit. Anfang 1999 dürften bei der H&K-Geschäftsführung die Sektkorken geknallt haben. Denn das Unternehmen erhielt die Zusage, dass das zuerst bei den „Krisenreaktionskräften“ der Bundeswehr eingeführte G36 nunmehr auch als Standardwaffe der spanischen Streitkräfte beschafft werden würde. Die ersten dieser 15.000 G36E - das „E“ steht für Export - wurden noch in Oberndorf gefertigt, die folgenden 100.000 Exemplare bereits bei der Empresa Nacional Santa Barbara in Galizien.
Zu den G36-Nutzern sollen neben Bundeswehr, Bundespolizei und SEK in Deutschland auch Streitkräfte, Polizeien, Spezial- oder Grenzschutzeinheiten in Albanien, Australien, Brasilien, Chile, Estland, Frankreich, Finnland, Georgien, Indonesien, Irland, Italien, Jordanien, Kanada, Kroatien, Lettland, Litauen, Malaysia, Mexiko, Niederlande, Norwegen, Philippinen, Polen, Portugal, Rumänien, Singapur, Slowakei, Slowenien, Spanien, Schweden, Thailand, Uruguay, Großbritannien, USA und Zypern zählen. (, Stichwort „G36“, Stand 04.02.2009)
Weltweit Aufmerksamkeit erregte im Juni 2001 der Fall der Ermordung des nepalesischen Königs durch den Kronprinzen Dipendra, der seinen Vater und mehrere Mitglieder der Königsfamilie mit einer G36-Testwaffe erschoss. In der Folge stoppte der geheim tagende Bundessicherheitsrat die von Heckler & Koch intendierte Lieferung von 65.000 (!) G36E-Gewehren ins Bürgerkriegsland Nepal. (Grässlin, a.a.O., S. 411 ff.) Mittlerweile sind auch die ersten Kriegsfotografien regulärer nepalesischer Regierungseinheiten mit G36 aufgetaucht.
Bis heute ungeklärt ist der Fall illegaler G36-Lieferungen an Georgien. Im letzten August konnten Friedensgruppen wie RIB, Bits und die DFG-VK, den vielfachen Einsatz von G36-Gewehren durch georgische Spezialeinheiten in den kriegerischen Auseinandersetzungen mit russischen Streitkräften fotodokumentarisch nachweisen. H&K bestreitet jegliche Verwicklung in den Exportskandal, die Bundesregierung hat eine Aufklärung dieses illegalen Rüstungsexports bis zum heutigen Tag unterlassen. Dabei wäre Aufklärung leicht: Das Bundeswirtschaftsministerium müsste sich lediglich von der befreundeten georgischen Regierung die Produktions- und Beschussnummern der G36 geben lassen. Offenbar scheut die Bundesregierung Verwicklungen mit einem befreundeten Staat und nimmt dafür die Verletzung der eigenen Exportgesetze in Kauf. (Nähere Informationen unter seit August 2008)
Neueste Erkenntnisse belegen zudem den Einsatz von G36-Gewehren bei Elitepolizeien im Libanon, eines Staats, der gemeinhin nicht als ein Ort des Friedens gilt. Das G36-Desaster nimmt seinen Lauf.


Terroristen schießen mit H&K-Waffen

(bild289) Längst ist nicht mehr zu trennen, wer Jäger und wer Gejagter, wer Demokrat, Scheindemokrat oder Diktator, wer Terrorist und wer Terroristenjäger ist. Eines aber verbindet sie alle: Sie schießen mit Vorliebe mit den treffgenauesten Mordinstrumenten der Welt - Waffen, die hier bei Heckler & Koch in Oberndorf am Neckar entwickelt worden sind oder werden.
Aufgrund ihrer Treffgenauigkeit sind Heckler & Koch-Waffen bei Terroristen äußerst beliebt. Bereits in den achtziger Jahren mordete die Rote Armee Fraktion mit H&K-Handfeuerwaffen, das RAF-Logo zierte eine MP5-Maschinenpistole. Guerillaorganisationen wie der peruanische Sendero Luminoso, die kolumbianische Farc, der militärische Arm der kurdischen Untergrundorganisation PKK und die maoistische Guerilla in Nepal schossen bzw. schießen mit H&K-Waffen auf Regierungseinheiten, die das Feuer ihrerseits oftmals mit ganz legal gelieferten H&K-Gewehren erwiderten.
In den letzten Jahren erreichten uns immer wieder Fernsehbilder der notleidenden und hungernden Menschen im Sudan. Diese wurden von den Janjaweed und den Rebellen mit Waffengewalt terrorisiert. Die Mörderbanden hielten den westlichen TV-Kameras ihre Gewehre entgegen, wobei klassischerweise zwei Gewehrtypen erkennbar waren: die Kalaschnikow und das G3.
Im März 2003 wurde der serbische Ministerpräsident Goran Djindjic Opfer eines Attentats mit einem G3-Scharfschützengewehr. In den neunziger Jahren nahmen palästinensische Untergrundkämpfer mit ihren MP5-Maschinenpistolen Rache an israelischen Soldaten für deren Angriffe. Aktuelle Fotodokumente belegen den Einsatz von MP5-Maschinenpistolen bei Hamas-Kämpfern im Gaza-Streifen Anfang des Jahres. Zudem belegen Fotografien Exekutionen seitens der Taliban im Grenzgebiet zu Afghanistan.
Sollte den H&K-Exportwünschen seitens der Bundesregierung kein Riegel vorgeschoben werden, so werden das G3 und MP5 als klassische Terroristenwaffen zukünftig durch das G36 und P7 ersetzt werden - in den Händen von Nato-Soldaten und Polizeien, Guerillaeinheiten und Terroristen. Gerade für Kindersoldaten dürfte die neue H&K-Waffengeneration von Interesse sein. Kindersoldaten schießen mit G3-Gewehren, allerdings sind die alten G3 zu schwer, um zur Standardwaffe der Jugendlichen zu werden. Ein Problem, das sich lösen lässt, denn die neue Generation von H&K-Waffen zeichnet sich nicht nur durch eine wesentlich höhere Treffgenauigkeit gegen „Weichziele“ - so die H&K-Werbung bezüglich menschlichen Opfern - aus, sondern auch durch eine spürbare Gewichtsverringerung.
Dass legal gelieferte Waffen durch Re-Exporte an Drittstaaten, Schwarzmarktverkäufe und Beutefänge kurzerhand in die falschen Hände geraten, ist unbestreitbar. Sind Waffen exportiert, so ist deren Verbreitung und Einsatz unkontrollierbar. Wer dieses Szenario verhindern will, muss einen vollständigen Stopp aller Rüstungsexporte fordern.


Im Jahr 2000: Schwerstbehindertenpreis für Heckler & Koch

An Absurdität schwerlich überbietbar ist die Tatsache, dass Heckler & Koch im Jahr 2000 den „Deutschen Arbeitsplatzinvestor-Preis“ in der Kategorie „Schwerbehinderte“ zugesprochen bekam. Der Offenbacher Künstler Bernd Fischer verkündet bis heute auf seiner Website : „Dieses Werk sollte als Auszeichnung für die meisten für Menschen mit schweren Behinderungen geschaffenen Arbeitsplätze verliehen werden“. Auf der 32 x 90 x 2,3 cm großen Bildtafel, gestaltet als Siebdruck auf Aluminium, findet sich neben dem Namen des Rüstungsproduzenten und -exporteurs Heckler & Koch GmbH eine Äußerung des ehemaligem Bundespräsidenten, visualisiert in einem für Gehörlose entwickelten Alphabet.
Gäbe es einen Preis für das Unternehmen aus Deutschland, dessen Produkte weltweit die meisten Behinderten oder Kriegskrüppel bewirkt haben - diesen auszurufen wäre eine löbliche Aufgabe der Friedens- und Menschenrechtsbewegung -, so sollte dieserHeckler & Koch und den Lizenznehmern der H&K-Waffen zugesprochen werden.
Denn neben der Zahl von mehr als 1,5 Millionen Toten haben der Oberndorfer Waffenexporteur und die Lizenznehmer auch die weitaus höhere, jedoch kaum ermittelbare Anzahl - niemand weiß, ob es sich um zwei oder fünf Millionen Menschen handelt - Behinderte zu verantworten. Ganz offensichtlich haben sich die Bundesanstalt für Arbeit und der Wirtschaftsclub Rhein-Main bei ihrer Preisverleihung um das Schicksal deutscher „Schwerstbehinderter“ gesorgt, nicht aber um das der H&K-Waffenopfer auf den Schlachtfeldern in Afrika, Asien oder Lateinamerika.


Christliche Waffen, teuflische Wirkung

Begriffe wie „Kleinwaffenlieferant“ und „Gewehrexporteur“ verharmlosen das, was sich mit den von Heckler & Koch entwickelten Pistolen, Maschinenpistolen und Gewehren seit Jahrzehnten auf den Schlachtfeldern der Welt abspielt. Kein anderer Waffentyp ist aus Sicht der Militärs derart „effizient“ wie die so genannten „Kleinwaffen“. Von 100 Toten und verletzten Zivilisten fallen durchschnittlich fünf dem Einsatz von Großwaffensystemen zum Opfer. Die weiteren 95 Toten und Verletzten werden von Handgranaten (2), Mörsern und anderen Artilleriewaffen (10 Prozent), Faustfeuerwaffen wie Pistolen und Revolvern (10), und Landminen (10) getroffen. Das Gewehr ist die Killerwaffe Nummer 1, mit dessen Einsatz werden rund zwei Drittel (63) aller Opfer verwundet oder erschossen. Diese Schätzungen beruhen auf einer Untersuchung des Internationalen Komitees des Roten Kreuzes, das sich dabei auf 41 Konfliktgebiete der neunziger Jahre bezieht. Deutschland ist weltweit einer der führenden Hersteller, Exporteure und Lizenzgeber im Gewehrbereich. Die Heckler & Koch GmbH ist Deutschlands - und auch Europas - führender Pistolen- und Gewehrproduzent. (Grässlin, a.a.O., S. 535 f.)
Dass die CDU/CSU/SPD-geführte Bundesregierung aus alledem nicht gelernt hat oder andere Prioritäten als Frieden und Gerechtigkeit setzt, belegt der im vergangenen Dezember publizierte „Bericht der Bundesregierung über ihre Exportpolitik für konventionelle Rüstungsgüter im Jahre 2007“ (Rüstungsexportbericht 2007). Dieser dokumentiert einen exorbitanten Anstieg von Kleinwaffenexporten. Allen voran die Kleinwaffenexporte in die äußerst bedenklichen „Drittländer“ haben sich von 2006 - damals bereits ein Rekordwert - von 15,6 Millionen Euro auf 30,2 Millionen Euro verdoppelt. (Rüstungsexportbericht 2007, S. 45)
Offizielle Begründungen wird man für diese H&K-Politik nicht finden. Offensichtlich ist jedoch die jahrzehntelange parteiübergreifende Unterstützung für die Waffenschmiede seitens der jeweiligen Wahlkreisabgeordneten. Sie reicht vom früheren Schramberger FDP-Abgeordneten Martin Grüner, der jahrelang zahlreiche kritische Bundestagsanfragen im Namen der Bundesregierung und im Sinne des Unternehmens abwiegelte, über den langjährigen SPD-Abgeordneten Klaus Kirschner, vormals Beschäftigter von Heckler & Koch, bis hin zum CDU-Abgeordneten Volker Kauder, zugleich Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Mit der „Christlich“ Demokratischen Union verbindet die Waffenschmiede eine lange und intensive Liaison, die u.a. von H&K-Inseraten in CDU-Wahlkampfzeitschriften über die zahlreichen Werksbesuche von CDU-Größen auf dem Lindenhof bis hin zu Waffenbeschaffungsaufträgen der Bundesregierung reichen - letztere offiziell ohne jegliche Zusammenhänge zur sonstigen Heckler-Connection.


Gewehre für die Kriege der Nato

Seit einem halben Jahrhundert sind Heckler & Koch-Waffen auf den Schlachtfeldern in aller Welt im Einsatz, das Unternehmen gilt heute als der fünftgrößte Gewehrproduzent. Schuld daran sind neben den Direktexporten auch die Lizenzvergaben an Nato-Staaten. So erhielten Portugal, Griechenland und die Türkei jeweils eine G3- und eine MP5-Lizenz, Frankreich und Norwegen eine G3-Lizenz und Großbritannien eine MP5-Lizenz, wobei in England auch G3-Gewehre gefertigt wurden. Griechenland und Portugal erhielten zudem eine Lizenz für das Maschinengewehr HK21, Griechenland zudem eine Lizenz für die Pistole P7, Italien eine Lizenz für das Sturmgewehr G41, Griechenland eine Lizenz für die Maschinenpistole HK53, Italien und die Türkei Lizenzen für den Granatwerfer 40mm, und Spanien die Nachbaurechte für das G36-Gewehr. Im Zeitraum zwischen 2015 und 2018 wird der Abschluss der Produktion von mindestens 500.000 HK33-Lizenzgewehren als G3-Nachfolger bei MKEK in der Türkei erwartet. (Grässlin. a.a.O., S. 365, 393 und 395)
Mehrere Nato-Staaten setzten H&K-Waffen bei Kriegen ein oder exportierten H&K-Lizenzwaffen an andere Staaten. Beispielsweise führte Portugal mit den G3-Lizenzgewehren Kolonialkriege in Afrika, der französische Lizenznehmer exportierte Anfang der 70-er G3 an das diktatorische Regime von Idi Amin in Uganda. Die Türkei führte ihren Bürgerkrieg gegen Kurdinnen und Kurden vornehmlich mit G3- und MP5-Lizenzwaffen und exportierte letztere in den Nahen Osten und nach Indonesien.
Mitte 2006 schloss H&K den Modernisierungsauftrag für 350.000 SA-80-Gewehre der britischen Armee ab, die diese Waffen u.a. im Irakkrieg einsetzte. Auch Spezialeinheiten der US-Army kämpfen mit H&K-Waffen im völkerrechtswidrigen Krieg gegen den Irak. Gerade bei Nato-Spezialeinheiten finden sich H&K-Waffen an vorderster Front. Auch das Kommando Spezialkräfte (KSK) der Bundeswehr, zu dessen Einsatzschwerpunkten Aufklärung, Terrorismusbekämpfung, Kommandokriegsführung zählen, setzt vornehmlich auf H&K-Waffen bei seinen Kampfeinsätzen - auch in Afghanistan. (KOMMANDO. International Special Operations Magazine. Nr. 1/2009; siehe KSK-Spezial) Die US-Söldnerfirma Blackwater setzte G36-Gewehre im Irak und gleichsam in Afghanistan ein. (ARD-Magazin Report Mainz am 18.02.2008) Viele weitere Beispiele ließen sich aufführen.


Profitable Neuaufträge für den „hungrigen Waffenhersteller“

Im diesem Jahr ist Bewegung in die Welt des Waffenherstellers Heckler & Koch gekommen. Grund dafür ist die Geschäftspolitik eines Mannes, von dem es keine aktuellen Fotos gibt. Ganz offensichtlich fürchtet der in London lebende 48-jährige H&K-Geschäftsführer Andreas Heeschen das Licht der Öffentlichkeit. Unter dem vielsagenden Titel „Hungriger Waffenhersteller“ veröffentlichte die Financial Times Deutschland (FTD) im Januar Auszüge aus einem Gespräch mit dem Rüstungsmanager, in dem Heeschen als „im Hintergrund operierender Geschäftsmann“ beschrieben wird, der sich „Sorge um seine Sicherheit“ macht.
Sein beruflicher Werdegang führte ihn nach einigen Semestern Betriebswirtschaft und Jura zur Citicorp und zur Hambros Bank in London, wo er sich nach seinen eigenen Angaben „den Grundstock seiner heutigen Beteiligungen mit Immobilien“ verdiente. Des Weiteren gründete Heeschen die Finanzierungsgesellschaft Pall Mall Capital.
Gemeinsam mit Ernst Mauch, Dr. Dirk Holzknecht und dem britischen Waffenhändler Keith Halsey hatte Heeschen im Dezember 2002 die neue „H&K BeteiligungsGmbH“ gegründet. Mit der Neustrukturierung an der Unternehmensspitze hat inzwischen Heeschen das Sagen bei Heckler & Koch. Seine Beteiligung am insolventen Gartengerätehersteller Wolf-Garten hat er bereits zurückgezogen, das in Wuppertal ansässige Waschmittelunternehmen Luhns, das u.a. Waschmittel für Aldi herstellt, hat er bereits verkauft. Unterstützt wird der Londoner Rüstungsmanager von einem guten alten Bekannten: Waffenhändler Keith Halsey bleibt ein enger Geschäftspartner und Minderheitsgesellschafter bei Heckler & Koch.
Seine verstärkte Zuwendung zum Waffengeschäft bei Heckler & Koch begründet der Rüstungsmanager mit einer sorgfältigen Marktanalyse. Während sich seine Hoffnungen im Rasenmäher- und Waschmittelgeschäft nicht erfüllt hätten, beurteilt er die Konzentration auf den Oberndorfer Waffenproduzenten und -exporteur als vorteilhaft: Nunmehr könne er „alle Ressourcen auf Heckler & Koch konzentrieren“. Angesichts eines Umsatzes von rund 150 Millionen Euro und eines Bestands „von bereits erteilten Aufträgen oder zu erwartenden Aufträgen von etwa 700 Millionen Euro“ (FTD) spielen moralische oder ethische Fragen wohl eine untergeordnete Rolle. Selbst in der im Jahr 2011 anstehenden Rückzahlung einer H&K-Anleihe in Höhe von mehr als 120 Millionen Euro sieht Heeschen angesichts „der aktuellen Geschäftsentwicklung daher kein großes Problem“. (FTD vom 16.01.2009)
Während sich die Weltwirtschaft in einer tiefen Rezession befindet, weltweit Aufträge und Arbeitsplätze wegbrechen, bewegen sich die Märkte für den Pistolen- und Gewehrproduzenten Heckler & Koch in die gewünschte Richtung. Der Tod bleibt ein Meister aus Oberndorf.

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Jürgen Grässlin ist DFG-VK-Bundessprecher, Vorsitzender des RüstungsInformationsBüros (RIB) in Freiburg und Sprecher des Deutschen Aktionsnetzes Kleinwaffen Stoppen (DAKS). Er ist Autor zahlreicher kritischer Sachbücher über Rüstungs-, Militär- und Wirtschaftspolitik; zu den Rüstungsexporten von Heckler & Koch veröffentliche er
https://www.dfg-vk.de/thematisches/ruestungsproduktion/2008/312
"Den Tod bringen Waffen aus Deutschland“
und „Versteck dich, wenn sie schießen“.

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