Online-Version des Artikels aus der ZivilCourage

Editorial

Liebe Leserin, lieber Leser,

wenn nun plötzlich nicht mehr nur von rechts (AfD und Teile der Union), sondern auch von links nach Wiedereinführung der Wehrpflicht gerufen wird, dann muss das ein (Titel-)Thema für die DFG-VK sein. Die linke Zeitschrift „Jungle World“ hat diese Diskussion von links mit der Veröffentlichung eines Artikels unter der Überschrift „Zu den Waffen, Genossen“ angestoßen. Wie visualisiert man das aber auf dem Titelblatt? Das soll ja eher bunt sein und „action“ zeigen. Das alte Schwarz-weiß-Bild des getroffenen Soldaten mit der Frage „Warum?“ ist damit wohl eher das Gegenteil. Ich finde es aber nach wie vor eines der eindrücklichsten Motive, um den Irrsinn des Krieges darzustellen. Vielleicht melden sich ja junge Leserinnen und Leser, die dieses Motiv nicht schon lange kennen, und schildern ihren Eindruck.

Aber auch die Rückseite dieses Heftes verdient Beachtung. Von nun an werden dort Karikaturen des Zeichners Findus erscheinen. Der Hinweis darauf, welche Materialien im DFG-VK-Shop erhältlich sind, wandert ins Heftinnere.

Vermissen wird der eine oder die andere in dieser Ausgabe die Rubrik „DFG-VK vor Ort“, die mit der Vorstellung von DFG-VK-Gruppen in den letzten beiden Nummern begonnen wurde. Diese Rubrik wird auch wieder kommen, betreuen wird sie dankenswerterweise Ernst Rattinger aus Offenburg. Den kennen eigentlich alle ZivilCourage-LeserInnen schon länger, stammt doch von ihm die „Feldpost“, die sich regelmäßig auf der vorletzten Seite befindet. (Damit ist nun dieses Geheimnis auch gelüftet.)

Als Verantwortlicher für unser DFG-VK-Magazin freut es mich sehr, dass nach fast 20 Jahren, die ich die ZivilCourage nun mache, zunehmend Menschen sich anbieten, Beiträge zu liefern, Verantwortlichkeiten zu übernehmen und an der Weiterentwicklung der Zeitschrift mitzuarbeiten.

Das neue Erscheinungsbild wurde ja schon hinreichend gelobt. Ein Nachteil dabei ist allerdings, dass nun weniger Text auf eine Seite passt. Eigentlich soll die ZivilCourage einen Umfang von 24 Seiten haben, das wäre von den Druckkosten her günstiger und der Arbeitsaufwand wäre geringer. Die Entwicklung geht allerdings gerade in die andere Richtung. Die Ausgabe 2 hatte einen Umfang von 32 Seiten, das vorige Heft 36 Seiten und dieses Mal sind es 40. Ich will das künftig schon wieder herunterfahren; wenn es aber durch den Umfang gelingt, die Arbeit und die Themen der DFG-VK in ihrer Breite und Vielfalt besser darzustellen, finde ich das an sich gut. Wie ist Eure Meinung als Leserin und Leser dazu?

Kurz vor Redaktionsschluss erreichte mich die traurige Nachricht, dass unser Ehrenmitglied Ludwig Baumann im 97. Lebensjahr verstorben ist. Auf die Schnelle konnte leider  niemand einen ausführlichen Nachruf schreiben. Angesichts der Lebensleistung von Ludwig Baumann als Wehrmachtsdeserteur, dessen Engagement es zu verdanken ist, dass der Bundestag, wenn auch spät, die Kriegsdienstverweigerer, Deserteure und „Kriegsverräter“ schließlich rehabilitiert hat, wäre das natürlich angemessen gewesen. So reichte es nur für einen kurzen Text auf Seite 8 zur Erinnerung an diesen beeindruckenden Mann. Ich habe mir nun nochmals seine 2014 erschienene Autobiografie „Niemals gegen das Gewissen“ zur Hand genommen. Ein schmales Buch mit 130, dafür inhaltsschweren Seiten. Ich kann die Lektüre nur empfehlen!

Stefan Philipp
Chefredakteur der ZivilCourage

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